Das Programm «Rencontre» der 48. Solothurner Filmtage ist dem Regisseur Silvio Soldini gewidmet. Der Mailänder mit Tessiner Wurzeln gilt seit
Pane e tulipani als «grande regista» des italienischsprachigen Kinos. Die Solothurner Filmtage gewähren einen vertieften Einblick in sein Werk.
Die «Rencontre» zeigt alle zehn Kinospielfilme Silvio Soldinis, darunter als Premiere seine Komödie
Il comandante e la cicogna. Zu entdecken gibt es im Programm auch den «unbekannteren» Soldini: subtile und persönliche Porträts der Schriftsteller Vivian Lamarque und Grytzko Mascioni, den langen Dokumentarfilm
Rom Tour sowie drei seiner frühen Kurzfilme.
Soldinis feines Gespür für seine Figuren ist augenfällig. Seine Filme erzählen von der Normalität des Alltags und vom Leistungsdruck in der westlichen Gesellschaft. Seine Charaktere stehen mitten im Leben und sind doch oft nicht ganz im Gleichgewicht. Sie möchten, wie der junge Mike in seinem allerersten Kurzfilm
Drimage, ausbrechen und aufbrechen. Sie wollen leben, statt nur passiv lebendig zu sein.
Oft sind es starke Frauen, die sich in Soldinis Geschichten aus ihren Abhängigkeiten befreien. Die Krankenschwester Veronica in
L’aria serena dell’ovest und das Roma-Mädchen Pabe in
Un’anima divisa in due schaffen dies aus eigenem Antrieb. Für andere braucht es einen Fingerzeig von aussen für ihre Veränderung. So brennen in der Gegenwart der Buchhändlerin Agata (
Agata e la tempesta) plötzlich Glühbirnen durch und bleiben Ampeln stehen. Rosalba in «Pane e tulipani» wird auf einer Busreise auf einer Raststätte vergessen. Und im geregelten Leben von Anna in
Cosa voglio di più muss erst der verheiratete Domenico auftauchen, damit ihre Liebes- und Lebenslust wieder entfacht wird.
Sieben Tage,
15 Filme,
drei Gespräche und eine
Ausstellung mit Silvio Soldini:
Cosa voglio di più? – Was will man mehr?