20.1. –– 27.1.2021
Solothurner Filmtage
Zum Tod von Helmut Hubacher
In Gedenken an eine Leit- und «Kühlerfigur» der Solothurner Filmtage

Die Solothurner Filmtage trauern um ihren ehemaligen Präsidenten Helmut Hubacher. Der Sozialdemokrat und Filmliebhaber leitete die Geschicke der Organisation in den Jahren 1978 bis 1995.

1978 wurde Helmut Hubacher einstimmig zum zweiten Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage (SGSF) gewählt. Er folgte auf den NZZ-Kulturredaktor Martin Schlappner (FDP). Vor allem die bürgerlichen Medien reagierten auf die Wahl mit kritischen Kommentaren. Hubacher sei ein Parteipolitiker, nicht jemand, der sich in kulturpolitischen Dingen hervorgetan habe. Seine Wahl sei ein Paradigmenwechsel, es trete «ein Parteimann anstatt ein Fachmann» an die Spitze der Organisation. Man befürchtete die «Verpolitisierung der Filmtage», wie das Bieler Tagblatt schrieb.

Die Geschäftsleitung nahm im Programmheft dazu Stellung und versicherte, die Programmpolitik könne unter dem neuen Präsidenten fortgeführt werden. Schliesslich hatte sich Hubacher auch in Basel für den Film engagiert: er war eine treibende Kraft bei der Gründung des Studiokinos «Camera» im Gewerkschaftshaus gewesen.

In Helmut Hubachers Amtszeit als Präsident der SGSF fallen zwei Meilensteine der Festivalgeschichte. Nachdem die Filmtage in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer «ein bizarrer linker Haufen, unterstützt von liberalen Idealisten» (Zitat Hubacher) waren, änderte sich das 1985 durch eine Intervention des Präsidenten. Zum 20. Jubiläum liess Hubacher seine persönlichen Beziehungen zum damaligen Kulturminister Alphons Egli (CVP) spielen – zum ersten Mal in der Geschichte der Filmtage reiste ein amtierender Bundesrat nach Solothurn.

 

Historischer Moment in der Ära Hubacher: Bundesrat Koller (Mitte) sieht sich an den Solothurner Filmtagen mit politischen Forderungen konfrontiert. Links Jürg Frischknecht (Journalist), rechts Ivo Kummer (ehem. Direktor der Solothurner Filmtage).
Historischer Moment in der Ära Hubacher: Bundesrat Koller (Mitte) sieht sich an den Solothurner Filmtagen mit politischen Forderungen konfrontiert. Links Jürg Frischknecht (Journalist), rechts Ivo Kummer (ehem. Direktor der Solothurner Filmtage).

 

1990, inmitten des Fichen-Skandals, überzeugte Helmut Hubacher auch Bundesrat Arnold Koller, sich der politischen Diskussion in Solothurn zu stellen. Medienwirksam empfingen die Kulturschaffenden den Justiz- und Polizeiminister mit dem Transparent «Herr Koller, wir wollen nicht nur Filme sehen, sondern Fichen».

Ivo Kummer, der 1987 unter der Präsidentschaft von Helmut Hubacher die Leitung der Solothurner Filmtage übernahm, erinnert sich: «Ich war jung und Helmut Hubacher gab mir eine politische Schulung. Er war ein stiller Präsident, der einen auch Fehler machen liess. Er pflegte den Vergleich der Filmtage mit einem Wagen, auf dem er selber die Kühlerfigur sei.»

Im Jahr 1995 übergab Helmut Hubacher die Präsidentschaft der SGSF an die Nationalrätin Ruth Grossenbacher (CVP). Den Solothurner Filmtagen blieb er bis zuletzt freundschaftlich verbunden und war regelmässiger Gast. Am Donnerstag, 20. August 2020, ist Helmut Hubacher im Alter von 94 Jahren verstorben.

Mit Helmut Hubacher verlieren wir eine wichtige Persönlichkeit der Solothurner Filmtage. Wir werden Helmut Hubacher in prägender Erinnerung behalten.

 

 

 

Titelbild: Keystone