22.1. –– 29.1.2020
Solothurner Filmtage
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Medienmitteilung: «Atelier de la pensée» zum Thema «Fremde Länder, fremde Bilder?»

Die 55. Solothurner Filmtage erweitern ihr Rahmenprogramm mit einem «Atelier de la pensée» zum Thema «Fremde Länder, fremde Bilder?»

Das «Atelier de la pensée» findet am Dienstag, 28. Januar 2020 statt. In der Säulenhalle des Landhauses treffen sich Filmschaffende zu einem Austausch über ein prägendes Thema des Schweizer Filmjahres. Die erste Ausgabe der neuen Gesprächsreihe dreht sich um die Frage «Fremde Länder, fremde Bilder?».

«Mit diesem Gespräch laden wir die Filmschaffenden und das Publikum zu einer vertiefenden Diskussion über ein zentrales Thema des aktuellen Programms ein. Wir freuen uns sehr über das Interesse der Filmschaffenden, um gemeinsam über das grundlegende Thema der postkolonialen Bilder nachdenken zu können», sagt Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage. «Die Säulenhalle des Landhauses ist seit jeher ein Ort der Debatte und des Austauschs, das ‚Atelier de la pensée’ nimmt diese Tradition auf».

Rund um die Filme «African Mirror», «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes», «Buganda Royal Music Revival», «Contradict», «Dagu», «Europa – Based on a True Story», «Insoumises» und «The Song of Mary Blane» laden die Solothurner Filmtage Filmschaffende und ein interessiertes Publikum zu einer offenen Debatte ein. Im Zentrum des «Atelier de la pensée» zum Thema «Fremde Länder, fremde Bilder?» steht die Frage des europäischen Blicks und des Umgangs mit postkolonialen Bildern im Schweizer Film.

Dienstag, 28. Januar 2020, 17:45 Uhr, Säulenhalle im Landhaus

Fremde Länder, fremde Bilder? «Atelier de la pensée» mit:

Thomas Burkhalter (Ko-Regisseur «Contradict»)

Laura Cazador (Regisseurin «Insoumises»)

Serena Dankwa (Sozialanthropologin, Universität Bern)

Kantarama Gahigiri (Regisseurin, Projekt «Tanzanite»)

Aron Yeshitila Gebrehanna (Regisseur Kurzfilm «Dagu»)

Peter Guyer (Ko-Regisseur «Contradict»)

Mischa Hedinger (Regisseur «African Mirror»)

Niklaus Hilber (Regisseur «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes»)

Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage

Basile Koechlin (Ko-Regisseur «Buganda Royal Music Revival»)

Jules Koechlin (Ko-Regisseur «Buganda Royal Music Revival»)

Bruno Moll (Regisseur «The Song of Mary Blane»)

Simone Späni (Produzentin «Europa – Based on a True Story»)

Heidi Specogna (Regisseurin, «Rencontre» der 55. Solothurner Filmtage)

Auf Deutsch und Französisch mit Simultanübersetzung.

Medienmitteilung: Der «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» 2020 geht an Lorena Handschin, Roland Vouilloz, Stefan Kurt und Manuela Biedermann

Im Rahmen der 55. Solothurner Filmtage wird am Sonntag, 26. Januar der «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» verliehen. Lorena Handschin und Roland Vouilloz werden die Auszeichnung für ihre Hauptrollen in den Serien «Nr. 47» und «Helvetica» entgegen nehmen. Stefan Kurt erhält den Spezialpreis der Jury für den Fernsehfilm «Aus dem Schatten – eine Zeit der Hoffnung». Als beste Nebendarstellerin wird Manuela Biedermann in «Wilder» ausgezeichnet. Seit 2001 ehrt der «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» der Verwertungsgesellschaft Swissperform Schauspielerinnen und Schauspieler in Fernsehproduktionen, seit 2011 wird er im Rahmen der Solothurner Filmtage verliehen. Der Preis ist mit je CHF 10'000 dotiert.

Lorena Handschin erhält die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für ihre Interpretation der Sophie in der vierten Staffel von «Nr. 47».
Lorena Handschin wird 1996 in Basel geboren. Bevor sie von 2015 bis 2019 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart Schauspiel studiert, sammelt sie am Jungen Theater Basel erste Bühnenerfahrungen. Lorena Handschin ist Studien- und Förderpreisträgerin des Migros-Kulturprozent und gehört seit der Spielzeit 2019/20 zum festen Ensemble des Deutschen Theater Berlin. Seit 2018 gehört sie zudem zum Ensemble von «Nr. 47» des Schweizer Radio und Fernsehens SRF. Im Zentrum der Webserie, die Nachwuchstalenten ein Sprungbrett bieten soll, stehen die Alltagsprobleme von jungen Erwachsenen. Die vierte und letzte Staffel der Webserie über die Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnblocks in Bern ist in Solothurn am Sonntag, 26. Januar integral als Vorpremiere zu sehen.

Roland Vouilloz wird als bester Hauptdarsteller für seine Rolle des Anti-Terror-Polizisten in «Helvetica» ausgezeichnet.
Roland Vouilloz wird 1964 in Martigny geboren. Ab 1988 absolviert er in Genf eine Ausbildung an der École Supérieure d’Art dramatique. Er wechselt in der Folge zwischen Theater, Film und Fernsehen ab und ist so als Schauspieler, Regisseur und Musiker tätig. Auf der Leinwand ist er in Filmen von Françis Reusser, Silvio Soldini, Greg Zglinski, Jean Blaise-Junod, Léo Maillard, Romain Graf und François-Christophe Marzal zu sehen. Im Jahr 2011 erhält er seinen ersten PRIX SWISSPERFORM für seine Rolle als Kehrichtmann Oscar Moreau in der Serie «Crom» von Bruno Deville. Die ersten drei Episoden der RTS-Serie «Helvetica» werden an den Solothurner Filmtagen am Sonntag, 26. Januar mit deutschen Untertiteln zu sehen sein. An den 55. Solothurner Filmtagen ist Roland Vouilloz nicht nur in «Helvetica» zu sehen, sondern auch in der Filmkomödie «Tambour battant» von François-Christophe Marzal, die für den PRIX DU PUBLIC nominiert ist.

Stefan Kurt überzeugte die Jury als charismatischer jedoch manipulativer Professor Sennhauser in «Aus dem Schatten – eine Zeit der Hoffnung» von Marcel Gisler. Er wird für seine Darstellung mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer studiert Stefan Kurt am Konservatorium für Musik und Theater Bern. Seine Theaterengagements führen ihn von Hamburg über Zürich und Salzburg nach Berlin, von Jürgen Flimm über Christoph Marthaler zu Robert Wilson. Daran schliessen sich eine umfangreiche Film- und Fernseharbeit in Deutschland und in der Schweiz sowie Lesungen und Hörbuchproduktionen an. Seit 2006 tritt Stefan Kurt auch als bildender Künstler in Erscheinung. Die 55. Solothurner Filmtage zeigen den Spielfilm «Aus dem Schatten – eine Zeit der Hoffnung» zu Ehren von Stefan Kurt am Sonntag, 26. Januar. Stefan Kurt ist in Solothurn zudem im Spielfilm «Jagdzeit» von Sabine Boss zu sehen, der für den «Prix de Soleure» nominiert ist.

Beste weibliche Nebendarstellerin ist Manuela Biedermann als Dorfpolizistin in der Fernsehserie «Wilder». Manuela Biedermann wird 1965 in Biel geboren. Nach dem Wirtschaftsgymnasium studiert sie drei Jahre am Dramatischen Studio Burgdorf unter der Leitung von Eva Klar-Kerble und arbeitet am Theater am Turm Frankfurt sowie an den Stadttheatern St. Gallen, Bern und Luzern. Sie wechselt dann zum Film und Fernsehen, mit Rollen in «Beck&Bondi», «Sarah joue un loup garou», «Das schaffen wir schon», «Die Einzigen» oder «Walking to Paris». Die 2. Staffel der Fernsehserie «Wilder» wird zur Zeit auf SRF ausgestrahlt. Zwei Episoden dieser Staffel sind an den Solothurner Filmtagen am Sonntag, 26. Januar als Vorpremiere zu sehen.

Die feierliche Preisverleihung des «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» findet am Sonntag, 26. Januar 2020 um 17:15 Uhr in der Reithalle statt, moderiert von der Schauspielerin Charlotte Heinimann. Im Anschluss wird «Aus dem Schatten – eine Zeit der Hoffnung» von Marcel Gisler gezeigt.

Der «PRIX SWISSPERFORM – Schauspielpreis» (ehemals Fernsehfilmpreis) ehrt Schauspielerinnen und Schauspieler in Schweizer Fernsehproduktionen. Die von SWISSPERFORM gestiftete Auszeichnung ist mit je CHF 10'000 dotiert und wird von einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der SWISSPERFORM und den Solothurner Filmtagen vergeben. Diese setzte sich 2020 aus der Schauspielerin Charlotte Heinimann, der Produzentin Valerie Fischer und Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage, zusammen.

Die Liste aller bisherigen Preisträger*innen findet sich auf der Website der Solothurner Filmtage.

Fototermin mit den Gewinnerinnen und Gewinnern 2020

Sonntag, 26. Januar 2020, 16:45–17:00 Uhr im Foyer in der Reithalle.

Das Bildmaterial zur Preisverleihung und die Laudationes werden am Sonntagabend ab 19:00 Uhr auf der Website der Solothurner Filmtage zur Verfügung stehen.

Medienmitteilung: filmo-Vorpremiere an den 55. Solothurner Filmtagen: Die neue Fassung von «Anna Göldin – Letzte Hexe» ist der erste in 4K HDR Dolby Vision erhältliche Schweizer Film

«Anna Göldin – Letzte Hexe» (1991) wurde von der Online Edition filmo in enger Zusammenarbeit mit der Regisseurin Gertrud Pinkus in 4K HDR Dolby Vision digitalisiert. Damit wurde das Verfahren erstmals für die Digitalisierung eines Schweizer Films eingesetzt. Die 55. Solothurner Filmtage präsentieren die Uraufführung der neuen Fassung am Samstag, 25. Januar in Anwesenheit von zahlreichen Gästen im Kino. Ab dem 6. Februar ist der Klassiker auf den etablierten Schweizer Streaming-Portalen erhältlich. 

«Seit einem halben Jahr macht die Online-Edition filmo Schlüsselwerke des Schweizer Films digital zugänglich. Dem Spielfilm 'Anna Göldin – Letzte Hexe' von Gertrud Pinkus gebührt ein fester Platz in der Schweizer Filmgeschichte und er passt perfekt in unser filmhistorisches Programm, das Schweizer Filmpionierinnen die Ehre erweist», sagt Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage. «Ich freue mich sehr, dass der Film, der lange nicht mehr gesehen oder gespielt werden konnte, nun in neuer, höchster Bild- und Tonqualität allgemein zugänglich sein wird. Denn filmo arbeitet nicht nur mit den etablierten Schweizer Streaming-Plattformen zusammen, sondern bietet die Edition auch in drei Landessprachen an».

Vor knapp dreissig Jahren stellte die Solothurner Filmemacherin Gertrud Pinkus ihren Historienfilm «Anna Göldin – Letzte Hexe» erstmals vor. Mehr als 200 000 Personen sahen sich die Geschichte der Magd Anna Göldin an, die 1782 in Glarus als letzte Frau Europas als Hexe verurteilt und hingerichtet wurde. Der Spielfilm von Gertrud Pinkus basiert auf dem gleichnamigen Roman von Eveline Hasler aus dem Jahre 1982. Anna Göldin wird als starke Frau portraitiert, die ihrer Zeit zum Opfer fällt.

Am Samstag, 25. Januar 2020 um 17:45 Uhr feiert die neue Fassung an den 55. Solothurner Filmtagen ihre Weltpremiere, als Teil des Programms «Histoires du cinéma suisse». Neben der Regisseurin Gertrud Pinkus nehmen die Schauspielerinnen und Schauspieler Peter Wyssbrod und Luca Kurt sowie die Filmmusikerinnen und -musiker von sine nomine an der Uraufführung teil.

Eine weitere Vorstellung findet am 29. Januar 2020 um 14:45 Uhr statt.

Die vierte filmo-Staffel geht am 6. Februar 2020 online
Die neue Fassung von «Anna Göldin – Letzte Hexe» in 4k HDR Dolby Vision und 5.1 Surround ist ab dem 6. Februar 2020 über die Streaming-Angebote von Teleclub on Demand, AppleTV, UPC onDemand, Sky und Cinefile erhältlich. Die grosse Spezialität der Digitalisierung von «Anna Göldin – Letzte Hexe» ist die Farbbestimmung in HDR (High Dynamic Range), die erweiterte Farbräume sowie Kontrastverhältnisse und somit ein naturnäheres Bild ermöglicht.

Gleichzeitig gehen in der vierten filmo-Staffel neun weitere Schweizer Filmklassiker in drei Sprachen online. Bisher sind 29 Schlüsselwerke erhältlich.

2019 lancierten die Solothurner Filmtage mit «filmo» die erste Online-Edition des Schweizer Films. Sie ist getragen vom Verein CH.Film und wird durch Engagement Migros, dem Förderfonds der Migros-Gruppe, ermöglicht.

Medienmitteilung: Die Filmverleiherin Bea Cuttat wird mit dem «Prix d’honneur» der 55. Solothurner Filmtage ausgezeichnet

Bea Cuttat nimmt am Montag, 27. Januar 2020 den «Prix d’honneur» der 55. Solothurner Filmtage entgegen. Die Filmverleiherin brachte mit ihrer Firma «Look Now!» seit 1988 rund 270 Filme in die Schweizer Kinos und erzielte damit gegen drei Millionen Eintritte. Knapp die Hälfte ihres Kataloges besteht aus Schweizer Filmen, darunter die Werke von Jan Gassmann, Sabine Gisiger, Peter Liechti, Fernand Melgar, Milagros Mumenthaler oder Stefan Schwietert. Der «Prix d’honneur», gestiftet von den Gemeinden im Wasseramt, ehrt seit 2003 Persönlichkeiten, die sich abseits des Rampenlichts um den Schweizer Film verdient machen.

«Bea Cuttat hat die Schweizer Filmkultur nachhaltig geprägt. Seit mehr als dreissig Jahren engagiert sie sich mit Herzblut und Beharrlichkeit für den Film. Sie hat mit ihrem Verleih Look Now! massgeblich dazu beigetragen, dass die filmische Angebotsvielfalt in unserem Land zu den weltweit Besten gehört. Von manchen Schweizer Regisseuren hat Bea Cuttat beinahe das Gesamtwerk betreut und ihre Türe stand auch dem Nachwuchs immer offen. Der ‚Prix d’honneur’ würdigt diesen inspirierenden Einsatz für den Film, der weit über das Bestehen von Look Now! hinausreicht», kommentiert Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage.

«Als Verleiherin habe ich mir immer Herzenswünsche erfüllt – ohne Rücksicht auf Verluste und trotz einem immer komplexeren Umfeld. Wenn mein Klein-Unternehmen die Liebe für die Filmkunst weitervermitteln konnte, habe ich viele Ziele erreicht», ergänzt Bea Cuttat, die vor Kurzem in den selbstgewählten (Teil-)Ruhestand getreten ist.

Bea Cuttat (*1953) verbringt ihre Schulzeit in Schaffhausen und arbeitet in den 1970er-Jahren u.a. als Sortimentsbuchhändlerin und redaktionelle Mitarbeiterin des Kulturressorts der Lokalzeitung. In diese Zeit fällt auch der Aufbau des «Theater und Kino im Fass Schaffhausen», zu dessen Mitbegründerinnen und –begründern Bea Cuttat gehört. Ab 1980 zieht es sie nach Zürich, wo sie für das «Schweizerische Filmzentrum» (heute Swiss Films) tätig ist und die Bereiche Filmverleih, Produktion und die Reihe «Texte zum Schweizer Film» betreut. Zudem baut sie die «Auswahlschau der Solothurner Filmtage» aus und verantwortet die Inlandpromotion des Schweizer Films. Ihre eigentliche Berufung findet Bea Cuttat ab 1986 im Verleih von Filmen aus aller Welt, zuerst als Mitarbeiterin der unabhängigen Filmcooperative Zürich und ab 1988 mit der Gründung ihres eigenen Studiofilmverleihs Look Now!, der zum Synonym für radikale Werke und künstlerische Kontinuität werden sollte. Ihren Einstand gibt sie mit «Reisen ins Landesinnere» von Matthias von Gunten. In der Folge engagiert sich Bea Cuttat auch als langjährige Präsidentin des Schweizerischen Studiofilm Verbandes SSV und Mitglied der Fachkommission Filmförderung des Bundes. Nach über 30 Jahren entschliesst sie sich im Sommer 2019, ihre aktive Verleihtätigkeit einzustellen und konzentriert sich nun auf die Pflege ihres Repertoires.

In 32 Jahren hat Bea Cuttat mit «Look Now!» rund 270 Filme in die Schweizer Kinos gebracht und damit gegen drei Millionen Eintritte erzielt. Die Spannweite ihres Katalogs reicht von Überraschungshits wie «Fucking Åmål» über Publikumslieblinge wie «Wallace & Gromit» bis hin zu den radikalen Arbeiten des mexikanischen Autoren Carlos Reygadas, mit dessen jüngstem Film «Nuestro Tiempo» Bea Cuttat ihr Kollektion abgeschlossen hat. 125 ihrer Filme entstammen der heimischen Produktion. Zu den Schweizer Filmschaffenden, die auf die treue Begleitung ihrer Werke durch «Look Now!» zählen konnten, gehören u.a. Dieter Fahrer, Peter Liechti oder Stefan Schwietert und die nächste Generation mit Aya Domenig, Jan Gassmann oder Milagros Mumenthaler.

Der «Prix d’honneur» wird am Montag, 27. Januar 2020 um 17:30 Uhr im Landhaus verliehen. Anschliessend stellt Bea Cuttat «A Tickle in the Heart» von Stefan Schwietert (1996) vor. «Ich habe meine Carte blanche an diesen Film vergeben, weil er vieles beinhaltet, was mich mein ,Filmleben’ lang begleitet hat: eine unverwechselbare und emotionale Geschichte wird überzeugend und ohne Rührseligkeit erzählt; Der Film ist ausgesucht schön fotografiert und geschnitten; es kommen Menschen vor, die etwas erlebt und zu sagen haben; und es geht um Musik!; aber es geht auch um die Erinnerung an den Holocaust, das Überleben; und um das Altwerden» sagt Bea Cuttat. Aus dem Katalog von «Look Now!» wird an den 55. Solothurner Filmtagen weiter «Step Across the Border» von Nicolas Humbert und Werner Penzel gezeigt. Der von Res Balzli († 2019) produzierte Dokumentarfilm aus dem Jahre 1990 ist Teil der Hommagen im Spezialprogramm «Histoires du cinéma suisse».

Am Mittwoch, 29. Januar 2020 spricht Bea Cuttat als Gast des «Film-Brunch» über ihre Karriere und Arbeit.

Der «Prix d’honneur» der Solothurner Filmtage wird von den Gemeinden im Wasseramt gestiftet und ist mit CHF 10'000.– dotiert.

Medienmitteilung: Das Programm der 55. Solothurner Filmtage

Die 55. Solothurner Filmtage 2020 präsentieren im «Panorama Schweiz» 178 aktuelle Schweizer Filme aller Genres und Längen. In allen Sektionen fallen starke Dokumentar- und Debutfilme auf. Die Regisseurin Ursula Meier («Sister»), die Künstlerin Cemile Sahin («Taxi») und der Schweizer UNO-Botschafter Mirko Manzoni bilden die Jury des zwölften «Prix de Soleure». Das Spezialprogramm «Fokus» widmet sich unter dem Titel «Im Bann der Serien» dem Boom des seriellen Erzählens, die «Rencontre» zeigt eine Retrospektive zum Werk der preisgekrönten Dokumentarfilmerin Heidi Specogna. Die Solothurner Filmtage stehen erstmals unter der Leitung von Anita Hugi. Sie werden am 22. Januar 2020 mit der Premiere von Micha Lewinskys Spielfilm «Moskau Einfach!» zum Schweizer Fichenskandal eröffnet.

Die Regisseurin Ursula Meier, die Künstlerin Cemile Sahin und der UN-Botschafter Mirko Manzoni bilden die Jury des Prix de Soleure 2020

Die Schweizer Regisseurin Ursula Meier («Sister»), die deutsch-kurdische Künstlerin Cemile Sahin («TAXI») und der Schweizer UN-Botschafter Mirko Manzoni vergeben den «Prix de Soleure» der 55. Solothurner Filmtage. Die internationale, interdisziplinäre Jury verleiht den mit CHF 60'000.- dotierten Preis an der «Soirée de clôture» vom 29. Januar 2020.

«Ich freue mich sehr, mit Ursula Meier, Cemile Sahin und Mirko Manzoni eine so hochkarätige und vielseitige Jury begrüssen zu können: eine Filmemacherin, eine Künstlerin und Schriftstellerin, ein Botschafter der UNO. Diese Offenheit und Vielfalt sind ein Leitmotiv für mich», sagt Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage. Der «Prix de Soleure» gehört mit CHF 60'000.- seit 2009 zu den höchstdotierten Kunstpreisen der Schweiz.

Ursula Meier studiert in Belgien Film und macht sich dank ihren Kurzfilmen schnell einen Namen. Für eine Fernsehfilmreihe von ARTE und RTS zum Thema "Masculin/Féminin» realisiert die französisch-schweizerische Doppelbürgerin den Film «Des épaules solides», der an Festivals auf der ganzen Welt Erfolge feiert. 2008 stellt sie ihren ersten Kinofilm «Home» in der Semaine de la critique in Cannes vor, in den Hauptrollen sind Isabelle Huppert und Olivier Gourmet zu sehen. Der Spielfilm wird mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. 2009 gründet Ursula Meier mit den Regisseuren Lionel Baier, Jean-Stéphane Bron und Frédéric Mermoud die Produktionsfirma Bande à part Films in Lausanne. Es folgt «Sister» mit Léa Seydoux und Kacey Mottet Klein, der an der 62. Berlinale einen Sonderpreis-Silbernen Bären holt. Wie «Home» gewinnt auch «Sister» drei Schweizer Filmpreise, darunter denjenigen für den Besten Spielfilm und vertritt die Schweiz bei den Oscars. 2018 dreht Ursula Meier «Journal de ma tête» mit Fanny Ardant und Kacey Mottet Klein. Das Drama gehört zu der vierteiligen TV-Kollektion «Ondes de choc». Derzeit arbeitet Ursula Meier an ihrem nächsten Kinofilm «La ligne», den sie 2020 in der Westschweiz drehen wird und entwickelt gleichzeitig ihren ersten englischsprachigen Film «Quiet Land».

Cemile Sahins künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Film, Fotografie, Skulptur, Sound und Text. Im Oktober 2019 ist im Korbinian Verlag ihr Debütroman «TAXI» erschienen – das bereits jetzt erfolgreichste Buch des jungen, unabhängigen Verlags. Cemile Sahins Ausgangspunkte sind Bilder oder Geschichten, die sie in multimedialen Installationen neu inszeniert. Ihre skulpturalen und filmischen Arbeiten waren in den letzten Monaten in der GfzK Leipzig, im NS-Dokumentationszentrum München, in der Akademie der Künste Berlin und im Kunstverein Hamburg zu sehen. Ihre Texte wurden bei «Zeit Online», in «Das Wetter – Magazin für Text und Musik» und in der «taz» veröffentlicht. Die deutsch-kurdische Absolventin des Central Saint Martins College of Art and Design in London und der Universität der Künste in Berlin ist «ars viva»-Preisträgerin 2020 für Bildende Kunst und Stipendiatin der Akademie der Künste in Berlin.

Mirko Manzoni verfügt über langjährige, umfassende Erfahrungen im diplomatischen und humanitären Dienst. So ist er 2014 bis 2019 als Schweizer Botschafter in Mozambique aktiv am Friedensprozess beteiligt. Am 8. Juli 2019 ernennt ihn UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu seinem persönlichen Gesandten für Mozambique. Derzeit präsidiert Manzoni die Kontaktgruppe der Friedensgespräche, der die USA, China, die Europäische Union, Grossbritannien, Norwegen, Botswana und die Schweiz angehören. Zu den beendeten Missionen des Tessiner Diplomaten gehören Einsätze in Mali und im Kosovo. Zudem war der diplomierte Architekt und Betriebswirtschaftler als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK in der Demokratischen Republik Kongo und im Irak tätig.

Die 55. Solothurner Filmtage finden vom 22. bis 29. Januar 2020 statt. Für den Wettbewerb «Prix de Soleure» nominiert die Auswahlkommission aktuelle Spiel- oder Dokumentarfilme, die formal prägnant und innovativ gesellschaftliche Fragen in den Mittelpunkt stellen.

Die nominierten Filme und das komplette Programm der 55. Solothurner Filmtage werden an der Medienkonferenz vom 12. Dezember 2019 bekannt gegeben. Eröffnet wird die Werkschau für den Schweizer Film am 22. Januar 2020 mit der Weltpremiere des Spielfilms «Moskau Einfach!» von Micha Lewinsky.

Medienmitteilung: «Moskau Einfach!» von Micha Lewinsky eröffnet die 55. Solothurner Filmtage 2020

Der Spielfilm «Moskau Einfach!» von Micha Lewinsky eröffnet am 22. Januar 2020 die 55. Solothurner Filmtage. Zur feierlichen Weltpremiere werden der Regisseur und seine Hauptdarstellerinnen und -darsteller Philippe Graber, Miriam Stein und Michael Maertens erwartet. Ehrengast der Eröffnungsfeier ist Bundesrat Alain Berset.

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, am 24. November 1989, präsentierten der damalige Nationalrat Moritz Leuenberger und die damalige Ständerätin Josi Meier den Bericht ihrer PUK, der Parlamentarischen Untersuchungskommission zum Justizministerium und den Geheimdiensten. Die Öffentlichkeit erfuhr, dass die Bundespolizei rund 700'000 Personen und Organisationen wegen Verdachts auf «unschweizerisches Verhalten» willkürlich überwacht hatte.

Nun nimmt sich Micha Lewinsky («Nichts passiert», «Die Standesbeamtin», «Der Freund») diesem brisanten Kapitel der jüngsten Schweizer Geschichte an. «Moskau Einfach!» erzählt die Geschichte eines Polizisten, der im Herbst 1989 und unmittelbar vor dem Fall der Berliner Mauer im Zürcher Schauspielhaus eingeschleust wird, um Informationen zu sammeln. Doch den Schnüffler plagen Zweifel.

Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage: «Micha Lewinsky zeigt einmal mehr ein untrügliches Gespür für gute Geschichten und grosses Talent für präzises und gewitztes Erzählen. ,Moskau Einfach!’ ist dabei Vieles in einem: Sittengemälde, Politsatire und Geschichtslektion zugleich. Ich freue mich sehr, die Solothurner Filmtage mit einem Film zu lancieren, der Kunst und Politik ebenso verknüpft wie in Frage stellt und der mit dem gewagten Zugriff einer Komödie an ein dunkles Kapitel der Schweiz erinnert, das uns heute mehr denn je betrifft: die Überwachung all unserer Lebensbereiche.» Micha Lewinsky ergänzt: «Die Geschichte von damals ist aktueller denn je. Heute schreiben wir ja unsere Fichen oft selber und stellen sie freiwillig ins Netz. Was mit den persönlichen Daten aus sozialen Netzwerken alles passieren kann, wird gern vergessen. Deshalb finde ich es wichtig, an die Fichenaffäre und ihre Konsequenzen zu erinnern».

«Moskau Einfach!» ist eine Produktion von Langfilm («Die letzte Pointe»). Philippe Graber («Der Freund») spielt den Polizisten Viktor Schuler, Mike Müller («Der Bestatter») verkörpert dessen Chef Marogg, Miriam Stein («Gotthard») die Schauspielerin Odile und der Wiener Burgtheaterschauspieler Michael Maertens den Theaterregisseur Heymann. Regisseur, Cast und Crew werden zur Weltpremiere in Solothurn erwartet. «Moskau Einfach!» startet am 13. Februar 2020 im Verleih von Vinca Film in den Deutschschweizer Kinos.

Ehrengast des Eröffnungsabends der 55. Solothurner Filmtage ist Bundesrat Alain Berset, der sich in seiner Rede an rund 900 Gäste aus der Schweizer Filmbranche, Kultur, Politik und Wirtschaft wenden wird.

Auf den Eröffnungsfilm und das anschliessende Apéro folgt in der zweiten Abendhälfte ein Auftaktkonzert für die 55. Solothurner Filmtage, gespielt von der Band «Puts Marie», Gewinnerin des Wettbewerbs Best Swiss Video Clip 2019.

Medienmitteilung: Cinéma Copines – Patricia Moraz, Christine Pascal & Paule Muret

Die 55. Solothurner Filmtage widmen das Programm «Histoires du cinéma suisse» dem Werk von Patricia Moraz, Christine Pascal und Paule Muret. Unter dem Titel «Cinéma Copines – Patricia Moraz, Christine Pascal & Paule Muret» werden fünf Spielfilme gezeigt, die von den drei Regisseurinnen, Autorinnen, Produzentinnen und Schauspielerinnen in den Jahren 1977 bis 1991 realisiert wurden.

«Im Schatten der Groupe 5 entwickelte sich in der Westschweiz kurzzeitig eine kleine Zelle aus Autorinnen, Regisseurinnen, Produzentinnen und Schauspielerinnen, die zu Pionierinnen des Neuen Schweizer Films werden sollten. Zum ersten Mal zusammengearbeitet haben Patricia Moraz, Christine Pascal und Paule Muret auf dem Set von Les Indiens sont encore loin, dem Debüt der 2019 verstorbenen Patricia Moraz. Wir verdanken diesen bekannten Unbekannten nicht nur wunderbare Filme. Die drei ,Copines’ haben das Schweizer Filmschaffen zudem mit neuen Zugriffen nach Cannes und Berlin getragen und künftigen Filmemacherinnen den Weg geebnet. Ich bin sehr glücklich, dass wir mit unserem Filmprogramm in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse das Schaffen dieser Westschweizer Filmpionierinnen zeigen können,» sagt Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage.  

Patricia Moraz (1939-2019) verbringt ihre Kindheit und Jugend in der Schweiz und Algerien. Zum Film kommt die französisch-schweizerische Journalistin in den 1960er-Jahren über das Gemeinschaftsprojekt «Quatre d’entre elles» von Claude Champion, Jaques Sandoz, Yves Yersin und Francis Reusser, worin sie die Patricia verkörpert. Als einzige Frau im Bunde der Westschweizer Nouvelle Vague stellt Patricia Moraz 1977 ihre erste Regiearbeit «Les Indiens sont encore loin» direkt am Filmfestival von Cannes vor. Neben der jungen Isabelle Huppert in der Hauptrolle, gibt die französische Schauspielerin und spätere Regisseurin Christine Pascal ihr Schweizer Leinwanddebüt. 1979 übernimmt die mittlerweile zum Star avancierte Christine Pascal zudem die Hauptrolle in «Le Chemin perdu», den Patricia Moraz in der Uhrenmetropole La-Chaux-de-Fonds inszeniert. In den 1980er-Jahren zieht es Moraz nach Frankreich, wo sie Abilène Films gründet und Leos Carax’ Erstling «Boy Meets Girl» (1984) und «Rouge Midi» von Robert Guédiguian (1985) produziert. 1986 beteiligt sie sich an der Gründung der Filmschule Fémis und unterrichtet fortan Drehbuch und Produktion. Patricia Moraz ist am 16. April 2019 im Alter von 79 Jahren in Paris gestorben. Das Filmprogramm «Cinéma Copines – Patricia Moraz, Christine Pascal & Paule Muret» gedenkt ihrem Schaffen mit den zwei Filmen «Les Indiens sont encore loin» und «Le Chemin perdu».

Christine Pascal (1953-1996) wächst in Lyon auf, wo sie Literatur, Sprachen und Schauspiel studiert und mit 20 Jahren Bertrand Tavernier kennenlernt. In seinen Filmen «L’Horloger de Saint-Paul» (1973) und «Que la fête commence» (1975) macht sich die junge Schauspielerin schnell einen Namen und wird neben Isabelle Huppert und Isabelle Adjani zum Inbegriff des radikalen französischen Autorenfilms. 1977 spielen Christine Pascal und Isabelle Huppert in «Les Indiens sont encore loin» von Patricia Moraz, worauf Christine Pascal sich in der Schweiz niederlässt und neben der Schauspielerei – 1979 ist sie in «Le Chemin perdu» von Patricia Moraz zu sehen - die Realisation ihres autobiographischen Spielfilms «Félicité» vorantreibt. Sie wird damit zu einer der ersten französischen Darstellerinnen im Regiefach. 1984 schreibt und inszeniert Christine Pascal die Dreiecksgeschichte «La Garce», 1989 stellt sie mit «Zanzibar» eine beissende Satire auf den Filmbetrieb vor, die ihren Ruf der Rebellin weiter festigt. Es folgen mit «Le petit prince a dit» (1992) eine Vater-Tochter-Geschichte und mit «Adultère, mode d’emploi» (1995) eine Anleitung zum Ehebruch. Christine Pascal nimmt sich am 30. August 1996 in Paris das Leben. Im Programm von «Histoires du cinéma suisse» werden «Zanzibar» und «Le petit prince a dit» gezeigt.

Paule Muret wird 1948 in Martigny geboren. Nach dem Kunststudium in Lausanne und einer Regieassistenz bei Patricia Moraz («Les Indiens sont encore loin») und ihrem Kurzfilm «Pour Bonnie» (1982) mit Jean-Pierre Léaud und Claudia Ribi geht sie nach Paris, wo sie als Drehbuchautorin, Regieassistentin, Kameraassistentin, Dekorateurin und Kostumbildnerin arbeitet. 1992 stellt sie im Wettbewerb der Berlinale ihren ersten langen Spielfilm «Rien que des mensonges» vor, ein Beziehungsdrama mit Fanny Ardant, Alain Bashung, Jacques Perrin und Christine Pascal. Paule Murets bisher letzter Film «This Is My Body» ist 2016 an den Solothurner Filmtagen zu sehen.  

«Histoires du cinéma suisse» ist das filmhistorische Programm der Solothurner Filmtage. «Cinéma Copines – Patricia Moraz, Christine Pascal & Paule Muret» ist eine Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse.

Medienmitteilung: Heidi Specogna ist Ehrengast der «Rencontre» 2020

Die 55. Solothurner Filmtage widmen das Spezialprogramm «Rencontre» der Regisseurin, Autorin und Produzentin Heidi Specogna. Die preisgekrönte Bielerin («Cahier africain», «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez») gehört seit mehr als 25 Jahren zu den wichtigsten Autorinnen und Autoren des europäischen Kinodokumentarfilms.

«Heidi Specogna steht für den politischen Dokumentarfilm und damit für ein klassisches Filmgenre, das heute wichtiger ist denn je. Ebenso präzise wie sensibel zeigt sie geopolitische Zusammenhänge auf und wirft einen zweiten, filmischen Blick auf die Realität. Sie beobachtet, recherchiert, lässt sich Zeit, bleibt dran, fragt nach und bringt schliesslich gesicherte Fakten ans Licht. Es ist eine grosse Freude, die 25. Rencontre der Solothurner Filmtage dieser ebenso mutigen wie prägenden Filmemacherin zu widmen», freut sich Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage.

Heidi Specogna wird 1959 in Biel geboren und wächst am Jurasüdfuss auf. Nach der Ringier Journalistenschule arbeitet sie für verschiedene Deutschschweizer Medien, ist Mitglied des Journalistenkollektivs «Presseladen» und entdeckt die Fotografie für sich. Anfang der 1980er-Jahre zieht es Specogna nach Deutschland: sie gehört zu den ersten Schweizerinnen, die an einer ausländischen Filmschule studieren. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb) entstehen verschiedene Kurz- und Experimentalfilme. Ihren ersten mittellangen Dokumentarfilm «Fährten» (1985) dreht sie in Schwarzweiss und befragt dafür die Menschen und Landschaften, die sie für ihr Studium zurückgelassen hat: ihre Schwester in Biel, das Berner Seeland, den Jura, die Schweiz. Für diese atmosphärische, persönlich-essayistische Bestandesaufnahme der Schweiz gewinnt Specogna 1985 aus dem Stand den Berner Filmpreis.

Es folgen Lehraufträge, die Gründung einer eigenen Produktionsfirma und mit «Tania La Guerrillera» (1991) und «Deckname: Rosa» (1993) ihre ersten beiden langen Dokumentarfilme über couragierte, kämpferische Frauen. Mit «Z-Man’s Kinder» macht die Regisseurin ihren einzigen Ausflug in den Spielfilm und stellt auch hier eine eigenwillige Frau ins Zentrum. Doch von nun an steht Specognas Werk ganz in der Tradition des politischen Dokumentarfilms. Sie erzählt die Geschichte einer PKK-Aktivistin («Eine Familienangelegenheit», 2004)), eines guatemaltekischen Soldaten («Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez», 2006)) und einer 90-jährigen Revolutionärin («Zeit der roten Nelken», 2004). Zweimal beobachtet sie den uruguayischen Politiker Pepe Mujica («Tupamaros», 1997, und «Pepe Mujica – Der Präsident», 2014).

Nach Lateinamerika wendet sich Heidi Specogna Afrika zu und blickt noch stärker hinter die politische Aktualität – sei es auf einem Kindersklavenschiff in Gabun («Das Schiff des Torjägers», 2010) oder bei Ermittlungen über Kriegsverbrechen («Carte Blanche», 2011) und bei Vergewaltigungsopfern in der Zentralafrikanischen Republik («Cahier africain», 2016). Dabei akzentuiert sich auch die dokumentarische Haltung der Regisseurin: Recherchieren, Beobachten, Fragen stellen – und so mit entschiedener Neugier einen Blick auf die grösseren Zusammenhänge freimachen.

Heidi Specognas bedeutendes Oeuvre ist vielfach preisgekrönt. So erhielt «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez» sowohl den Schweizer Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm auch den deutschen Grimme-Preis. «Cahier africain» brachte der Autorin neben dem Schweizer Filmpreis und dem Grimme-Preis auch den Deutschen Filmpreis und den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis – den sie bereits für «Esther und die Geister» erhalten hatte – ein. Die Deutsche Akademie der Künste ehrte Heidi Specogna kürzlich mit dem renommierten Konrad-Wolf-Preis.

Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin unterrichtet Heidi Specogna an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Zu ihren Studenten und Studentinnen gehörten u.a. Nicolas Steiner, Nicole Vögele oder Nora Fingscheidt. Der Vermittlung des filmischen Handwerks wird sie sich auch in Solothurn widmen: In einer Masterclass gibt die Regisseurin gemeinsam mit ihrem Cutter Kaya Inan Einblick in den Schnittprozess ihres aktuellen Filmprojekts «Wachs und Gold», das derzeit in Äthiopien gedreht wird.

Die «Rencontre» wird von der Ernst Göhner Stiftung unterstützt.

Medienmitteilung: Mitgliederversammlung der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage 2019

Anita Hugi gibt ihren Einstand – Anita Panzer und Michela Pini sind neu im Vorstand – Positive Jahresrechnung 2018/2019

An ihrer Versammlung vom Donnerstag, 27. Juni haben die Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage (SGSF) die neue Filmtage-Direktorin Anita Hugi begrüsst. Anita Panzer und Michela Pini wurden einstimmig in den Vereinsvorstand gewählt. Die Jahresrechnung 2018/2019 fällt auch dank gesteigerten Einnahmen durch den Verkauf von Tickets positiv aus. Der Präsident Felix Gutzwiller hielt fest, wie gut die Werkschau aufgestellt sei und dankte namentlich der scheidenden Direktorin Seraina Rohrer für ihr Engagement.

Der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage Felix Gutzwiller freute sich über die vielversprechenden Perspektiven der Solothurner Filmtage: «Mit der neuen Direktorin Anita Hugi und den neuen Vorstandsmitgliedern Anita Panzer und Michela Pini gestalten drei hochkompetente Frauen die Zukunft der Solothurner Filmtage mit. Darüber hinaus sehen wir kurz- und mittelfristig finanziell gesunden Zeiten entgegen. Mitverantwortlich für diese gute Verfassung, den Erfolg und das diesjährige positive Resultat sind all unsere Partnerinnen und Partner, das Team und die Mitglieder. Ihnen danke ich für die grosszügige Unterstützung und Treue! Mein besonderer Dank gilt der scheidenden Direktorin Seraina Rohrer für ihr grosses Engagement, ihre Kreativität, Motivation, Vision und Kompetenz, die sie voll und ganz in den Dienst der Solothurner Filmtage gestellt hat. Ich wünsche ihr für die ihre neuen Aufgaben bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia alles Gute.». Der designierten Direktorin Anita Hugi wünschte der Präsident einen guten Start: «Ich freue mich, dass wir eine bestens qualifizierte Nachfolgerin gefunden haben und bin überzeugt, dass Anita Hugi die Solothurner Filmtage mit viel Verstand und Herz leiten wird!»

Die neuen Vorstandsmitglieder Anita Panzer und Michela Pini ersetzen Alt-Regierungsrat Klaus Fischer und den Filmproduzenten Werner Swiss Schweizer, die für ihren langjährigen fachkundigen Einsatz im strategischen Gremium ebenfalls herzlich verdankt wurden.

Anita Panzer ist seit 2013 Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen-St. Niklaus (FDP, SO). Sie betreibt eine Kommunikationsagentur und übernimmt insbesondere Aufträge der öffentlichen Hand, von KMUs oder von Non-Profit-Organisationen. Anita Panzer engagiert sich ausserdem als Präsidentin der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung, Verwaltungsratspräsidentin der Busbetriebe Solothurn und Umgebung, Verwaltungsrätin der Raiffeisenbank Weissenstein, als Stiftungsrätin Stiftung WQ Solothurn oder als Mitglied des Vorstandes von Region Solothurn Tourismus.

Michela Pini ist seit 2007 als Produzentin von Schweizer Kino- und TV-Filmen in Lugano tätig. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf der Arbeit mit jungen Filmschaffenden. Sie produzierte zahlreiche Kurz- und Dokumentarfilme und beschäftigt sich auch mit der Entwicklung von Spielfilmen. So koproduzierte sie «L'Ospite» von Duccio Chiarini, der am Filmfestival Locarno auf der Piazza Grande uraufgeführt wurde oder das preisgekrönte Debüt «Cronofobia» von Francesco Rizzi. Sie ist Vorstandsmitglied von GARP (Gruppe Autoren Regisseure Produzenten) und Präsidentin der Ticino Film Commission.

An der Mitgliederversammlung präsentierten die Solothurner Filmtage den Jahresbericht und die Jahresrechnung der 54. Solothurner Filmtage. Denmach beträgt das operative Ergebnis erfreuliche CHF 147'000.-. Dieser Überschuss kam u.a. durch erhebliche Kosteneinsparungen, die positive Entwicklung der Ticketverkäufe und Mehreinnahmen bei der Akquise von Stiftungsgeldern zustande. Ausserdem konnte die solide Finanzierung der Solothurner Filmtage durch die vertragliche Verpflichtung eines zweiten Hauptsponsors abgesichert werden.

Medienmitteilung: Anita Hugi wird Direktorin der Solothurner Filmtage

Die Solothurner Filmtage haben eine neue Leitung: Anita Hugi übernimmt Anfang August die Direktion des Festivals für den Schweizer Film. Die vormalige Programmdirektorin des Festival International du Film sur l’Art (FIFA) in Montréal verantwortete bisher die Sternstunde Kunst von SRF und war als Jurorin und Expertin für nationale und internationale Festivals und Gremien tätig. Anita Hugi folgt auf Seraina Rohrer, die zu Pro Helvetia wechselt.

Anita Hugi bringt eine facettenreiche Erfahrung und eine profunde Kenntnis sowohl der nationalen und internationalen Filmszene als auch der Solothurner Filmtage mit. Sie wird 1975 in Grenchen (SO) geboren und absolviert ihre Schulzeit im zweisprachigen Biel. Nach dem Studium des Übersetzens in Zürich und Strassburg bildet sie sich in Kulturkommunikation und Journalismus weiter, ist ab 1999 freie Mitarbeiterin für verschiedene Schweizer Medien und wird 2005 verantwortliche Redaktorin der Sternstunde Kunst von Schweizer Radio und Fernsehen SRF. In dieser Funktion gestaltet Anita Hugi bis 2019 die Programmierung, Ko-Produktion, Eigenproduktion und die redaktionelle Begleitung von mehr als 130 Schweizer Produktionen aus allen Landesteilen. Für die Sternstunden produziert sie u.a. die Filmreihe «Cherchez la femme» mit Filmen zu Sophie Taeuber-Arp, Meret Oppenheim, Manon und S. Corinna Bille und initiiert den Filmentwicklungspreis «Perspektive Sternstunde Kunst», der seit 2013 an den Solothurner Filmtagen verliehen wird.

2016 kommt die Programmdirektion des Festival International du Film sur l’Art (FIFA) in Montréal dazu, wo Anita Hugi alle Programmsektionen leitet und eine Sektion für neue Erzählformen etabliert. Daneben ist sie als Expertin, Jurorin und Dozentin tätig und verfolgt mit ihrer Firma Narrative Boutique eigene Projekte.

Zu ihrer Filmographie als Autorin und Produzentin gehören u.a. die interaktiven Dokprojekte «Die rote Hanna» (mit Zeichnungen von Anja Kofmel, 2018) und «DADA- DATA» (Co-Regie mit David Dufresne, 2016, Grimme Online Award u.a.) oder der Filmessay zu Undine Gruenter (2016, Literavision-Filmpreis als bester Literaturfilm).

Anita Hugi spricht Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch und lebt in Zürich und Biel. Sie tritt die Nachfolge von Seraina Rohrer am 1. August 2019 an. Seraina Rohrer wechselt nach acht erfolgreichen Ausgaben als Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin des neuen Bereichs Innovation und Gesellschaft zur Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

«Anita Hugi verfügt über einen beeindruckenden Leistungsausweis und ein weitreichendes Netzwerk in der nationalen und internationalen Film-, Festival-, Förderungs- und Medienlandschaft. Ihr Profil, ihre Person und ihr Projekt haben uns überzeugt und wir freuen uns sehr, Anita Hugi die Direktion der Solothurner Filmtage übergeben zu können», sagt Felix Gutzwiller, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage. 

Die designierte Direktorin ergänzt: «Wie kein anderes Festival in der Schweiz sind die Solothurner Filmtage echter und lebendiger Treffpunkt des Schweizer Filmschaffens und des Publikums. Diese Relevanz ist denn auch einer der Gründe, warum ich mich als Direktorin für die Solothurner Filmtage, für den Schweizer Film und für seine Vermittlung engagieren werde – und weshalb ich die Werkschau seit langem liebe».

Mit Anita Hugi werden das Programm und die Organisation der Solothurner Filmtage zum zweiten Mal von einer Frau verantwortet. Die Werkschau des Schweizer Films wurde 1966 gegründet, gehört zu den renommierten Kulturveranstaltungen der Schweiz und zählt jährlich um die 65'000 Eintritte.

Die 55. Solothurner Filmtage finden vom 22.-29. Januar 2019 statt.