22.1. –– 29.1.2020
Solothurner Filmtage
Abschied von Bruno Ganz

Bruno Ganz war einer der ganz Grossen, ein Schauspieler von Weltformat, er war ganz einfach «bigger than life». Mit Bruno Ganz verlieren der Schweizer Film und das europäische Kino einen eigenwilligen, kompromisslosen und mutigen Künstler und einen lieben, bescheidenen Freund. Dank seinem unglaublich breiten Repertoire hat er uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, uns Tränen entlockt und uns zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich immer ganz besonders gefreut, dass die Eröffnung der Solothurner Filmtage ein Fixpunkt in seinem vollen Terminkalender war. 

2005 widmeten die Solothurner Filmtage dem grossen Schauspieler eine Retrospektive. Die Liste an Filmen, für die wir ihm damals dankten, ist seither noch viel länger geworden. Sie führt uns eindrücklich vor Augen, welch aussergewöhnlicher Künstler von uns gegangen ist. Doch sie spendet uns auch Trost, dank ihnen bleibt er auf immer in unserem kollektiven Gedächtnis. 

Besonders in Erinnerung bleiben wird Bruno Ganz bei jung und alt als Grossvater in Fredi M. Murers «Vitus» oder in «Heidi» von Alain Gsponer. Doch auch «In der weissen Stadt» von Alain Tanner, «Der Erfinder» von Kurt Gloor, «Giulias Verschwinden» von Christoph Schaub oder «Pane e tulipani» von Silvio Soldini sind ohne die überragende Leinwandpräsenz von Bruno Ganz undenkbar. Auch im internationalen Kino gehörte Bruno Ganz zu den Besten. Mit Wim Wenders schuf er u.a. den Klassiker «Himmel über Berlin» und seine Verkörperung von Hitler in «Der Untergang» ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Bruno Ganz’ unermüdliche Suche nach Wahrheit hat Generationen von Filmschaffenden geprägt. Dafür und für seine Menschlichkeit danke ich ihm zutiefst.

Seraina Rohrer, 21. Februar 2019