Interviews

5 Fragen an Andrea Štaka, Regisseurin

Datum

4. Juni 2020

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Bereits ihre frühen Filme «Hotel Belgrad» (1998) und «Yugodivas» (2000) brachten Andrea Štaka Anerkennung an internationalen Festivals wie Locarno und Sundance ein und waren für den Schweizer Filmpreis nominiert. Ihr erster langer Kinospielfilm «Das Fräulein» (2006) gewann den Goldenen Leoparden am Locarno Film Festival sowie den Schweizer Filmpreis für das Beste Drehbuch. 

Ihr neuer Spielfilm «Mare» (2020) feierte Ende Februar an der 70. Berlinale Weltpremiere, der Kinostart des Films musste infolge der Corona-Krise jedoch bereits nach drei Tagen unterbrochen werden. Andrea Staka ist Teil der «Lockdown-Collection By Swiss Filmmakers», die in den letzten Wochen entstanden und aktuell im Fernsehen und online zu sehen ist.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deine Arbeit aus?

Mein Film «Mare» lief nach der Premiere an der Berlinale drei Tage in der Deutschschweiz im Kino, dann kam der Lockdown. Päng, aus, Kinos zu. Es war ein Horror. So viele Leute wollten den Film noch sehen. Ich fühlte mich wie in einem startenden Flugzeug, bei dem die Notbremse gezogen wird. Momentan steht  «Mare» auch international still, die kommenden Festivals sind abgesagt, dem Weltvertrieb sind die Hände gebunden. 

Wir werden «Mare» wieder auf die Leinwand  bringen, sobald die Kinos wieder aufgehen. Die Promotion wird wichtig sein, denn die Leute müssen erfahren, dass «Mare» wieder läuft. Wir haben nicht so einen Apparat wie Hollywood und Geld für Werbung. Die Zeitungen müssen nochmals schreiben, und wir werden die Arbeit dafür machen müssen. Warum nicht, denke ich manchmal und schmunzle. So eine Situation hatten wir ja noch nie.  

Wie begegnest du den aktuellen Herausforderungen?

Ich wollte an meinem neuen Drehbuch schreiben, aber so 1:1 geht das nicht. In vielen Szenen umarmen sich Leute, feiern Feste, lernen sich kennen, kommen sich nahe. Als ich anfangs des Lockdowns einen Film online schaute, fand ich es komisch zu sehen, wie die Menschen sich umarmen. Da liess ich das Schreiben vorerst. Ich drehte einen kurzen Film über diese Zeit, 30 Regisseurinnen haben mitgemacht in der «Lockdown Collection» von SRG SSR und BAK. Das tat gut, mit filmischen Mitteln dem näher zu kommen, was grad passiert. Der Kurzfilm heisst «My mom, my son and me». Das finanzielle Loch wird bei mir erst in ein bis zwei Jahren sichtbar sein. Es ist schwieriger neue Projekte anzureissen, vor allem wenn es um die internationale Zusammenarbeit geht.

Was ist jetzt entscheidend?

Es ist kein Schweizerfilm-Problem. Wir machen weiter, anders als bisher. Das ist klar! Eine schwierige Frage… Einfach Mut zu Kreativität, Flexibilität und Geld.

Eröffnen sich in dieser Krise womöglich auch neue Chancen?

Momentan bleibt mehr Zeit für die inhaltliche Auseinandersetzung, weil wir nicht so viel unterwegs sind. Ich hoffe, dass wirkt sich positiv auf die Filme aus. Auch junge Leute, die flexibler sind mit der virtuellen Kommunikation oder gegen den Strom arbeiten, kommen nun stärker zum Zug. Ich hoffe auf mehr Mut im Inhaltlichen.

Was machst du als Erstes, wenn die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie ganz aufgehoben werden?

Ich setz mich ins Kino, und dann nehme ich den Nachtzug ans Meer.

An welchen (Schweizer) Film erinnert dich die aktuelle Situation?

«The Host» von Bong Joon-Ho. Die Angst vor dem Monster ist für mich ein Bild für die innere Angst, die wir vor dem «unsichtbaren» Virus und den Folgen haben.

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