Interviews

5 Fragen an Gabriela Betschart, Kamerafrau

Datum

22. April 2020

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Nach dem Studium in Grafik und Design studierte Gabriela Betschart Film an der Hochschule Luzern Film (HSLU). Ihr Abschlussfilm «Bipolar. An Interview with Richard» bei dem sie für Regie, Kamera und Schnitt verantwortlich war, nahm an über 25 Festivals weltweit teil. 2012 schloss Gabriela Betschart das Kamerastudium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) unter anderem mit den Dokumentarfilmen «Ma Na Sapna – Träume einer Mutter» von Valerie Gudenus und «Neuland» von Anna Thommen ab, der an den Solothurner Filmtagen 2014 den «Prix du Public» gewann. Sie führte auch die Kameraarbeit für den Dokumentarfilm «#Female Pleasure» (2018) von Barbara Miller. 

Neben ihrer Tätigkeit als freischaffende Kamerafrau und Regisseurin gibt Gabriela Betschart Filmkurse im Kulturbüro St. Gallen und ist Gastdozentin an der ZHdK. 

Als die Corona-Pandemie ausbrach, standen für sie gerade die Dreharbeiten für «Les Nouvelles Èves» an. Der Dokumentarfilm gewann den 10. CH-Dokfilm-Wettbewerb von Migros Kulturprozent, der 2020 im Rahmen der 55. Solothurner Filmtage 2020 vergeben wurde. 

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deine Arbeit aus?

Am Donnerstag vor dem Lockdown begannen wir mit dem ersten Drehtag des Kinodokumentarfilms «Les Nouvelles Èves». Der Film mit sechs Episoden von sechs verschiedenen Regisseurinnen hätte in den letzten Wochen gedreht werden sollen, doch daraus wurde nichts. Vor allem darum, weil sich die Gegebenheiten vor der Kamera total veränderten, vieles fand nicht statt und niemand wusste im ersten Moment wie damit umzugehen ist und wie sich das Ganze entwickelt.

Ein weiterer Dreh, der im Ausland hätte stattfinden sollen, wurde auch abgesagt. Was blieb war ein kleines Pensum an der ZHdK, für das ich dann auf den Online-Unterricht umstieg. Durch meinen Arbeitsausfall übernahm ich die Vollzeit-Betreuung unserer beiden Kinder, die nicht mehr in die Kita bzw. in den Kindergarten/Hort gehen konnten und auch nicht mehr von den Grosseltern betreut wurden.

Wie begegnest du den aktuellen Herausforderungen?

Im ersten Moment stellte sich bei mir eine Art Feriengefühl ein, ich und viele um mich herum schwebten irgendwie schwerelos umher und versuchten das Ganze einzuordnen. Von einem auf den anderen Tag haben sich alle Drehtage in Luft aufgelöst. Mit der Schulschliessung war mir dann klar, dass es ein Weilchen dauern wird, bis das Ganze durch ist. Die letzten zwei Monate war ich, durch die Umstände, in einer total anderen Rolle und verbrachte viel Zeit Zuhause mit meinen Kindern. Ich finde aber, trotz Einschränkungen und Umorganisation befinde ich mich in einer sehr privilegierten Situation, die (noch) zu keinen schwerwiegenden Konsequenzen führte.

Vor zwei Wochen hatte ich dann wieder den ersten Dreh, mit Mundschutz und Desinfektionsmittel. Langsam tröpfeln wieder neue Drehtermine rein. 

Da die Nähe zu Protagonisten im Dokumentarfilm ein zentrales Element ist, frage ich mich schon, welchen Einfluss es auf mich und meine Bilder oder auch auf das Verhalten der Leute vor der Kamera hat. Wir werden sehen...

Was ist jetzt entscheidend?

Ich hoffe die Leere wird nun nicht überstürzt gefüllt. Es braucht Zeit um laufende Projekte neu zu überdenken. Muss Corona überhaupt in den Filmen thematisiert werden? Und wenn ja, wie? Natürlich bin ich froh, möglichst schnell wieder bei geplanten Drehs dabei zu sein und freue mich, wenn es wieder richtig los geht. Aber in den letzten Wochen ist in unseren Köpfen einfach sehr viel passiert und unsere Realität hat sich stark verändert. Es wäre schade, wenn die Qualität der Filme darunter leidet. Genau jetzt ist es wichtig, dass wir starke Filme erschaffen.

Eröffnen sich in dieser Krise womöglich auch neue Chancen?

Für mich ist es noch zu wenig greifbar, wie sich das Ganze wirklich auswirken wird - auf die Gesellschaft, auf die Filmbranche, auf meine Arbeit. Wer weiss, äussere Zwänge können die Kreativität beflügeln! Ich ertappe mich in letzter Zeit oft dabei, mehr als vor Corona, in Eventualitäten zu denken. Ich lege mir mögliche Optionen zurecht, die mir Sicherheit geben und aufzeigen, dass doch vieles möglich wäre...

Was machst du als Erstes, wenn die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie ganz aufgehoben werden?

Auf ungezwungene Abende mit Freunde und Familie freue ich mich wieder... und Ferien in Sizilien wären irgendwann auch wieder schön!

An welchen Film erinnert dich die aktuelle Situation?

Durch die eingeschränkte Mobilität und das mehrheitliche Zuhause-Bleiben glich mein Alltag eher einer Sitcom: über mehrere Wochen immer dasselbe «Bühnenbild» und eine begrenzte Auswahl an Schauspielern inkl. einzelnen Gastauftritten (beispielsweise Lieferdienste). Nicht die beste Sitcom aber auch nicht die schlechteste!

Und wenn ich über den eigenen Tellerrand blicke, ist es nach wie vor wichtig gesellschaftlich relevante Themen, die schon vor Corona existierten und dadurch noch prekärer wurden (u.a. Grenzschliessungen) trotz allem nicht aus den Augen zu verlieren. Darum erwähne ich hierzu gerne den Dokumentarfilm «Fuocoammare» von Gianfranco Rosi. 

Links: 

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