Interviews

5 Fragen an Niccolò Castelli, Regisseur

Datum

6. Mai 2020

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Niccolò Castelli, in Lugano geboren, hat an der DAMS-Fakultät der Universität Bologna und anschliessend an der ZHdK studiert. 2012 machte er mit «Tutti Giù» seinen ersten Langfilm, der am 65. Locarno Film Festival Premiere feierte.

Nach seinem Dokumentarfilm «Looking for Sunshine» (2018) über die Schweizer Skifahrerin Lara Gut begann Niccolò Castelli seinen zweiten Langspielfilm, «Atlas», produziert von der Imagofilm. Unsere 5 Fragen beantwortet er aus seinem Homeoffice.

Wie wirkt sich die COVID-19-Krise auf deine Arbeit aus?

Sie beeinflusst meine Arbeit auf vielerlei Art; sie führt mich dazu, mich zu fragen, welches die Geschichten sind, die ich erzählen will. Vor allem für den Film «Atlas», den ich 2019 zu drehen begonnen habe: Wir wollten diesen Frühling noch die letzten Szenen im Ausland filmen, doch jetzt sind wir blockiert. Wir versuchen nun, mit kreativen Lösungen weiterzukommen. Doch das alles wirkt sich auch auf meine Pläne für das nächste Jahr aus. Marc Engels, der grossartige Filmtoningenieur ist infolge der Covid-19-Pandemie verstorben. Ich denke sehr viel an ihn, während ich im Schnittraum seinen Tonaufnahmen lausche. 

Wie begegnest du den aktuellen Herausforderungen?

Vom Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz ARF/FDS aus versuchen wir bezüglich Unterstützung und Informationsaustausch allen Kolleginnen und Kollegen Antworten zu geben. Es ist eine tolle Teamarbeit. Es hilft mir zu verstehen, was wir gerade durchleben. Auf persönlicher Ebene: Spaziergänge im Wald, Musik, Film und Momente der Ruhe mit meinen Nächsten.

Was ist jetzt entscheidend?

Wir sollten nun nicht nur an das eigene Überleben, sondern an das Überleben aller denken. Die entstandene Solidarität, der neu belebte Austausch zwischen Regisseuren, Produzentinnen, Institutionen, Technikerinnen, Schauspielern, Verleihfirmen, Festivals und Publikum ist wichtig. Vielleicht waren wir in der Vergangenheit zu stark auf uns konzentriert und betrachteten die anderen mit einem etwas eigennützigen Blick. Wie die Umwelt leidet auch die Filmwelt. Wir müssen Sorge tragen, dass sie für uns alle Bestand hat - wenn nötig auch mit persönlichem Verzicht.

Gibt es für den Schweizer Film womöglich auch Chancen?

Es bieten sich Gelegenheiten auf der Erzählebene und im Verleih. Doch als Erstes müssen wir dafür sorgen, dass die kleinen Kinos wieder öffnen können. Das heisst jedoch nicht, dass wir nicht die Gelegenheit nutzen sollten, uns dem Publikum auf neue Art und Weise anzunähern: dem Publikum  zu zeigen versuchen, wie wichtig Geschichten sind, die ihnen nahe sind - insbesondere in Zeiten wie diesen. Wie beim italienischen Neorealismus könnten wir erzählen, was wir gerade erleben: über Geschichten, welche unsere menschliche und soziale Gegenwart beschreiben und damit einen wichtigen Beitrag zur Deutung der nahen Zukunft leisten.

Was machst du als Erstes, wenn die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie aufgehoben werden?

Ein Grillfest mit Freunden. Wenn wir nicht mehr über Covid-19 sprechen müssen, sollten wir uns wieder auf grundlegende Werte wie Freiheit und den gegenseitigen Austausch besinnen. Im Tessin waren die Anti-Corona-Massnahmen viel stärker als in den meisten anderen Kantonen, auch die Nähe zur Lombardei hat wohl zu einem anderen Bewusstsein der Folgen der Corona-Pandemie geführt.

An welchen (Schweizer) Film erinnert dich die aktuelle Situation und weshalb?

Covid-19 hat vor allem die älteren Menschen getroffen, insbesondere jene in den Altersheimen. Ich möchte ihnen allen die Ehre erweisen, sie filmisch umarmen und feiern mit «Il bacio di Tosca» von Daniel Schmid. Ich möchte sie und mich daran erinnern, dass die Kunst und die Liebe zuletzt sterben.

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