Interviews | Autorentexte

Lob der Kritik: 5 Fragen an Andreas Scheiner

Datum

14. Januar 2021

Share
Symbolbild_Kino_Andreas_Scheiner

Welche beruflichen Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihre Arbeit?

Andreas Scheiner: Ich muss jetzt Netflix-Filme besprechen. Oder solche von AppleTV+. Oder Fernsehserien. Festivals sind selten geworden, Interviews auch. Zoom-Interviews bringen’s eher nicht so.

Dies gesagt: Es gibt immer noch Filme, es gibt Zeitungen oder Ähnliches. Ganz verzagen, muss man dann also doch nicht als Filmjournalist.

2020 hat Gewissheiten erschüttert und die Veränderungen in der Medienbranche beschleunigt. Zeichnen sich bereits Lösungen ab, wie man auf diese Schwierigkeiten reagieren kann?

Vielleicht wird zu viel reagiert? Vielleicht braucht es ja gar nicht zu jedem Thema noch einen Podcast oder einen Videobeitrag? Und müssen wirklich auch Filmkritiken als persönliche Erfahrungsberichte daherkommen? Weniger Ichbezogenheit könnte jedenfalls helfen, meine ich.

In Zukunft, so prophezeite der britische Schriftsteller J. G. Ballard Anfang der 1990er-Jahre, werden wir alle zu Filmkritikern werden müssen, um in der Medienlandschaft nicht die Orientierung zu verlieren. Was soll die Filmkritik heute leisten?

Orientierungshilfe ist schon nicht verkehrt, es ist ja wirklich alles recht unübersichtlich geworden: Was startet wann und auf welchem Dienst, und gibt es den Dienst überhaupt im eigenen Land? Muss man wirklich zu Hause schauen oder darf man auch rausgehen ins Kino?

Darüber hinaus, ja, Ballard macht einen guten Punkt: Die Filmkritik könnte vielleicht mehr noch die mediale Umwelt als solche im Blick behalten und Bewegtbilder «besprechen» jenseits von Kino und Film.

Schliesslich: Schön wäre doch eine Filmkritik, die mehr im Dialog stünde mit den Filmschaffenden. Dazu bräuchte es aber auch Filmschaffende, die an einem Austausch interessiert sind. Und weniger sensibel auf Kritik reagieren.

Ist die Filmkritik für das einheimische Filmschaffen verantwortlich?

Nein. Dafür braucht es eben mehr Austausch.

Schön wäre doch eine Filmkritik, die mehr im Dialog stünde mit den Filmschaffenden. Dazu bräuchte es aber auch Filmschaffende, die an einem Austausch interessiert sind. Und weniger sensibel auf Kritik reagieren.

Andreas Scheiner

Welches Werk der Filmkritik oder welche/r Filmkritiker*in hat den grössten Einfluss auf Ihre eigene Arbeit ausgeübt?

Ich mag den Theaterspezialisten und Teilzeitfilmkritiker Peter Kümmel von der «ZEIT». Richard Brody vom «New Yorker» hat einen etwas seltsamen Filmgeschmack, aber das macht nichts, seine Texte sind hervorragend. Wolfgang M. Schmitt schreibt mit die besten Filmanalysen (seine Beiträge auf Youtube schaue ich weniger gern.)

Viel gelernt habe ich ausserdem von Thomas Bodmer, dem langjährigen «Züritipp»-Filmredaktor.

Andreas Scheiner
suisse_1.jpg Explorez
Cinéma hero_trailer_suisse_2.jpg
suisse_3.jpg Suisse

Stöbern Sie in unserer Sammlung seit der Gründung des Festivals.

Entdecken Sie die Geschichte des Schweizer Films

Premiere

Premiere

Premiere
verbleibend Noch nicht verfügbar Nicht mehr verfügbar

Présente du 12 jan au 14 jan 2020

Live
Veranstaltungen
Die neuen Filme des Tages
Nur noch wenige Stunden verfügbar