Interviews | Autorentexte

Lob der Kritik: 5 Fragen an Pascal Blum

Datum

18. Januar 2021

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PascalBlum

Welche beruflichen Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihre Arbeit?

Pascal Blum: Weil Kinostars abgesagt oder verschoben werden, schreiben wir mehr über Streaming, insbesondere über Streaming-Premieren. Auch die Veränderungen im Filmgeschäft selber sind (noch) stärker Thema. 

Wir merken aber auch, dass die Leserinnen und Leser das Bedürfnis haben, über Kultur und Film zu lesen, auch wenn gerade wenig läuft, und dass viele unserer Abonnent*innen klassische Kinobesucherinnen und -besucher sind (oder dann lineares Fernsehen schauen). Streaming hat mich schon immer interessiert, aber manchmal scheinen wir den Gewohnheiten des Publikums voraus zu sein. 

Allgemein haben wir es mit einer Rückentwicklung zu tun, wenn man so will: Spezialist*innen werden zu Generalist*innen, die man für alle möglichen Themen einsetzen kann, auch weil Corona zahlreiche gesellschaftliche Fragen aufwirft. Weil ich Soziologie studiert habe, interessiert mich das aber auch – eine Filmkritik wird in Zukunft wohl noch stärker etwas sein, was ich neben einem Historiker*in-Interview oder einer Reportage mache. Ist das gut? Ich weiss es nicht. Aber das Faszinierende am Journalismus ist seine Vielseitigkeit.

2020 hat Gewissheiten erschüttert und die Veränderungen in der Medienbranche beschleunigt. Zeichnen sich bereits Lösungen ab, wie man auf diese Schwierigkeiten reagieren kann?

Bitte fragen Sie meinen Verlag! Bekannt ist, dass weiter gespart wird. 

In Zukunft, so prophezeite der britische Schriftsteller J. G. Ballard Anfang der 1990er-Jahre, werden wir alle zu Filmkritikern werden müssen, um in der Medienlandschaft nicht die Orientierung zu verlieren. Was soll die Filmkritik heute leisten?

Bevor sie etwas leisten kann, muss es sie zuerst einmal geben. Das halte ich derzeit für das grundlegende Problem, denn Rezensionen sind in den Redaktionen (auch in unserer) immer weniger gefragt, gewünscht sind Storytelling, portionierte Texte, Online-Mehrwert, Videos und Podcasts. Nicht, dass das immer schlecht wäre, aber wir bewegen uns so weg von den Kunstwerken und hin zum Gerüst – zu Phänomenen, Instant-Ereignissen, zur Ökonomie. Man merkt es daran, dass der Kulturjournalismus – auch die Filmkritik – immer zahlenlastiger wird.  

Wenn ich könnte, würde ich jemanden anstellen, der oder die ausschliesslich Video-Essays macht – über Filmästhetik, aber auch über Fernsehnachrichten, Tiktok-Videos usw. Da sehe ich eine Zukunft für Filmkritik.

Ist die Filmkritik für das einheimische Filmschaffen verantwortlich?

Ja. Sie nimmt ihre Verantwortung aber auch dann wahr, wenn sie Filme ignoriert oder verreisst. Rezensionen von «kleineren» Filmen sind wegen zu wenig Klicks aber extrem unter Druck. Vorstellbar wäre da ein Schweizer Kritik-Blog oder ein Newsletter für Interessierte, für den Beiträge extra erstellt werden.

Welches Werk der Filmkritik oder welche/r Filmkritiker*in hat den grössten Einfluss auf Ihre eigene Arbeit ausgeübt?

Manny Farber. Er war eigentlich Maler, konnte aber schreiben wie der Teufel.

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