Interviews | Autorentexte

Lob der Kritik: 5 Fragen an Sarah Stutte

Datum

24. Januar 2021

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Sarah_stutte

Welche beruflichen Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihre Arbeit?

Sarah Stutte: Da ich nicht nur über Filme, sondern auch sehr viel über andere kulturelle Veranstaltungen und Ereignisse schreibe, hatten die Massnahmen besonders während der ersten Welle grosse Auswirkungen auf meine Arbeit. Ich hatte von heute auf morgen gar keine Aufträge mehr und schon lange geplante Berichterstattungen über Filmfestivals und andere Grossevents fielen komplett ins Wasser. Zudem wurden auch ganze Magazine auf Eis gelegt, für die ich normalerweise regelmässig schreibe. Statt Kinofilmen gab es Streamingtipps – das rettete wenigstens einen Teil meiner Arbeit.

Aber was mir wirklich fehlt und ich auch mit am Wichtigsten finde, ist der gesellschaftliche Aspekt des Ganzen. Die ganzen Zoom-Sitzungen und Online-Anlässe gehen mir irgendwann schlicht auf den Keks. Ich möchte wieder raus, an Festivals, ins Kino, mich in die weichen Sessel kuscheln, mich berauschen, bereichern und verändern lassen, bis zum Morgengrauen mit Gleichgesinnten über Filme diskutieren und einfach «Film leben und atmen».

2020 hat Gewissheiten erschüttert und die Veränderungen in der Medienbranche beschleunigt. Zeichnen sich bereits Lösungen ab, wie man auf diese Schwierigkeiten reagieren kann?

Viele Redaktionen und Verlage haben beziehungsweise mussten ja schon reagieren – und das ziemlich schnell, um den leeren Platz zu füllen. Lösungen gibt es immer – der Mensch passt sich jeweils seiner Umgebung an, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Wandel ist gut. Ein frischer Blick auf die Dinge eröffnet immer neue Möglichkeiten und ob das nun früher oder später passiert, spielt dabei eigentlich keine Rolle.

In Zukunft, so prophezeite der britische Schriftsteller J. G. Ballard Anfang der 1990er-Jahre, werden wir alle zu Filmkritikern werden müssen, um in der Medienlandschaft nicht die Orientierung zu verlieren. Was soll die Filmkritik heute leisten?

Spannend sein, ehrlich und flexibel. Für mich muss sie fundiert sein, aber auch menschlich bleiben, sich selbst nicht zu wichtig nehmen und niemals ihre Vermittlerrolle vergessen. Will man sich nur selbst auf die Schulter klopfen, verliert man den Kontakt zu seinen Leser*innen und dem Publikum.

Ist die Filmkritik für das einheimische Filmschaffen verantwortlich?

Unbedingt. Natürlich besteht für die Filmkritik ein ausserordentliches Interesse daran, dass das einheimische Filmschaffen weiter blüht. Aus Liebe zur Kunst und Freude am Diskurs im eigenen Land: man lebt hier, ist unmittelbar davon betroffen, was um einen herum passiert. Aber auch aus einem grundsätzlichen Überlebenswillen heraus, man sägt ja nicht am eigenen Ast, auf dem man sitzt. Das Filmschaffen bedingt jedoch überall die Kritik und andersrum.

Welches Werk der Filmkritik oder welche/r Filmkritiker*in hat den grössten Einfluss auf Ihre eigene Arbeit ausgeübt?

Roger Ebert, weil er die Filmkritik aus dem Keller geholt und ihr eine Ausstrahlung in die Welt gegeben hat. Er war so unmittelbar am Publikum – eine solche Nähe zwischen Kritiker und Publikum gibt es in der europäischen Branche selten –, hat als erster Filmkritiker den Pulitzer bekommen und war ein Nerd – man kann gar nicht anders, als ihn zu bewundern.

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