20.1. –– 27.1.2021
Solothurner Filmtage
Prix de Soleure

Der Wettbewerb «Prix de Soleure» ist thematisch ausgerichtet und stellt den Menschen und gesellschaftliche Fragen rund um das Zusammenleben in den Mittelpunkt. Die Auswahlkommission der Solothurner Filmtage nominiert jährlich fünf bis zehn Filme für den Wettbewerb «Prix de Soleure». Die selektionierten Dokumentar- und Spielfilme überzeugen durch ihren ausgeprägten Humanismus und stellen diesen eindrucksvoll filmisch dar.
 
2021 vergibt eine interdisziplinär zusammengesetzte Jury den «Prix de Soleure» im Wert von CHF 60'000.- zum 13. Mal.

Der «Prix de Soleure» wird getragen vom Fonds «Prix de Soleure» sowie dem Kanton Solothurn und der Stadt Solothurn.

Boutheyna Bouslama gewinnt den «Prix de Soleure» 2020

Boutheyna Bouslama nahm den zwölften «Prix de Soleure» für ihren Erstling «A la recherche de l’homme à la caméra» entgegen. Die tunesische Regisseurin erzählt in ihrem Dokumentarfilm von der dreijährigen Odysee, zu der sich die Suche nach ihrem Jugendfreund entwickelt. Sie trifft Menschen, die den vermissten syrischen Medienaktivisten kannten und zeichnet das vielschichtige filmische Porträt einer unsichtbaren Person. Die Jurymitglieder Ursula Meier, Cemile Sahin und Mirko Manzoni zeigten sich beeindruckt «von der Narration, der filmischen Handschrift und der deutlichen Haltung gegenüber der Leerstelle, die ihr Freund hinterliess. Mit ihrem Film macht Boutheyna Bouslama die Verschwundenen von Kriegen und vergessenen Konflikten sichtbar. Sie tut dies mit einer Aufrichtigkeit, die viel öfter nötig wäre.»

Boutheyna Bouslama liess sich an der Kunsthochschule HEAD in Genf zur visuellen Künstlerin und Filmemacherin ausbilden. Nachdem die Aufenthaltsbewilligung für ihr Studium abgelaufen war, musste sie Schweiz verlassen und lebt seither in Istanbul. «A la recherche de l’homme à la caméra» ist eine Koproduktion der Genfer Produktionsfirma Close Up Films.

Der mit CHF 60'000.- dotierte Jurypreis der Solothurner Filmtage wird getragen vom Fonds «Prix de Soleure» sowie dem Kanton und der Stadt Solothurn. Die Preissumme geht je zur Hälfte an Regie und Produktion.


Laudatio der Jury

Heute ist es 8 Jahre, 10 Monate, eine Woche und sechs Tage her, seit der Krieg in Syrien angefangen hat. Tag für Tag geht der Krieg weiter. Und Tag für Tag vergessen wir, wie er angefangen hat. Durch unsere stille Hinnahme machen wir uns am Verbrechen mitschuldig.

Das schwerste Kriegsverbrechen ist vielleicht, die Wahrheit über die Verschwundenen zu verbergen: sind sie noch am Leben oder tot? Die Überlebenden in Ungewissheit zu lassen, ist ein psychologischer Krieg der einen ein zweites Mal sterben lässt.

Der gewählte Film hat die Stärke, unser Bewusstsein zu erwecken und uns klarzumachen, dass Stille manchmal schlimmer sein kann als Bomben.

Auf der Suche nach einem Kindheitsfreund, den die Regisseurin zufällig an einem Filmfestival auf der Leinwand gesehen hat, reisen wir im Film durch verschiedene Länder. Er gehörte zum Team eines Dokumentarfilms über den Krieg in Syrien. Da ihr Freund Kameramann war, nimmt auch sie die Kamera zur Hand und macht sich auf die Suche nach ihm. Während drei Jahren versucht sie ihren Freund zu porträtieren, um herauszufinden, was aus ihm geworden ist und eine Wahrheit aufzudecken, die ihr fortwährend verborgen bleibt. Drei Jahre, in denen sie unendlich scheinendem Leid ein Ende zu bereiten versucht.

Die Erzählung, die filmische Sprache, aber auch der Platz, den die Regisseurin auf so richtige Art und Weise gegenüber der Lücke ihres Freundes einnimmt, hat die Jury fasziniert. Sie verleiht mit ihrem Film den Verschwundenen der Kriege und vergessenen Konflikten Sichtbarkeit und tut dies mit einer Ehrlichkeit, die es viel öfter bräuchte.

Die Jury vergibt den Prix de Soleure 2020 einstimmig an die Regisseurin Boutheyna Bouslama für den von Close Up Films produzierten Film «A LA RECHERCHE DE L’HOMME A LA CAMERA».

 

 

Das Objekt «Prix de Soleure» wurde vom Künstler Jean Mauboulès gestaltet

Nominierungen 2020
À la recherche de l'homme à la caméra

Boutheyna Bouslama | FR/CH | doc 76'
So 26.1. 09:30 Konzertsaal | Mi 29.1. 14:30 Landhaus | mehr Informationen

Während drei Jahren trifft die Regisseurin Menschen, die Oussama kannten, ihren Kindheitsfreund und vermissten syrischen Aktivisten. Der Film fragt nach der Macht der Bilder des Krieges und inwiefern sie Zeuge sein können.

African Mirror

Mischa Hedinger | CH | doc 84'
Fr 24.1. 12:00 Landhaus | Di 28.1. 12:00 Reithalle | mehr Informationen

Der Reiseschriftsteller René Gardi erklärte der Schweiz über Jahrzehnte den afrikanischen Kontinent. In seinen ambivalenten Bildern spiegelt sich das europäische Selbstverständnis weit über die Zeit des Kolonialismus hinaus.

Al-Shafaq

Esen Isik | CH | fic 98'
Sa 25.1. 09:15 Reithalle | Di 28.1. 09:15 Landhaus | mehr Informationen

Abdullah verliert seinen Sohn im «Heiligen Krieg». Der junge Malik hat seine Familie im gleichen Krieg verloren. Ihre zufällige Begegnung wird zur Chance für beide.

Arada

Jonas Schaffter | CH | doc 80'
Sa 25.1. 15:00 Landhaus | Mo 27.1. 09:30 Reithalle | mehr Informationen

Drei Männer erzählen von ihrem Heim weh nach der Schweiz. Hier auf gewachsen, wurden sie in das Land ihrer Eltern ausgewiesen. Der Film setzt sich mit der Realität der Ausschaffungspolitik auseinander.

Citoyen Nobel

Stéphane Goël | CH | doc 86'
Fr/Ve 24.1. 20:30 Landhaus | So/Di 26.1. 14:45 Konzertsaal | mehr Informationen

Der Nobelpreis für Chemie verändert das Leben von Jacques Dubochet aus Morges. Was macht er mit der plötzlichen Berühmtheit?

Jagdzeit

Sabine Boss | CH | fic 90'
Fr/Ve 24.1. 21:00 Reithalle | Mo/Lu 27.1. 17:30 Konzertsaal | mehr Informationen

Ein Finanzchef kämpft um das Überleben einer Traditionsfirma. Als ein neuer CEO eingesetzt wird, verstrickt er sich in einen Machtkampf, der ihn zunehmend aus der Bahn wirft.

Mon­ cousin­ anglais

Karim Sayad | CH | doc 82'
Do 23.1. 12:00 Landhaus | Mo 27.1. 12:15 Reithalle | mehr Informationen

2001 geht Fahed nach England, den Kopf voller Träume. Angesichts einer Midlife-Crisis reist er 17 Jahre später zurück in seine Heimat Algerien. Nun muss er eine Entscheidung treffen.

O­ fim­ do ­mundo

Basil Da Cunha | CH | fic 104'
Fr 24.1. 15:15 Reithalle | So 26.1. 20:45 Landhaus | mehr Informationen

Spira kehrt von der Erziehungsanstalt zu seiner Familie nach Reboleira zurück, einem Elendsviertel von Lissabon, das gerade abgerissen wird. Kikas macht ihm bald klar, dass er nicht willkommen ist.

Volunteer

Anna Thommen, Lorenz Nufer | CH | doc 93'
Do 23.1. 21:00 Reithalle | So 26.1. 12:00 Landhaus | mehr Informationen

Freiwillige reisen nach Griechenland, um den Menschen zu helfen, die dort in Booten ankommen. Was sie erfahren, verändert ihr Leben für immer.

Wer sind wir?

Edgar Hagen | CH | doc 97'
Sa 25.1. 17:45 Landhaus | Di 28.1. 14:00 Konzertsaal | mehr Informationen

Helena und Jonas sind Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf. Die Frage danach, was «normal» ist, beschäftigt ihre Eltern und auch die Gesellschaft, in der sie leben.

Where we Belong

Jacqueline Zünd | CH | doc 78'
Fr 24.1. 18:15 Reithalle | Mo 27.1. 20:30 Landhaus | mehr Informationen

Eltern trennen sich. Aus einer vermeintlichen Einheit entstehen zwei Welten. Wie gehen Kinder damit um? Eine filmische Annäherung an eine moderne Realität.

Who’s Afraid of Alice Miller?

Daniel Howald | CH | doc 101'
Sa 25.1. 20:45 Landhaus | Mi 29.1. 12:30 Reithalle | mehr Informationen

Nach dem Tod der Psychologin Alice Miller versucht ihr Sohn seine von Gefühlskälte geprägte Kindheit zu verstehen. Dabei entdeckt er die dramatische Geschichte seiner jüdischen Mutter.

Jury 2020
Ursula Meier © Raphael Zuber
Ursula Meier © Raphael Zuber

Ursula Meier

Ursula Meier studiert in Belgien Film und macht sich dank ihren Kurzfilmen schnell einen Namen. Für eine Fernsehfilmreihe von ARTE und RTS zum Thema "Masculin/Féminin» realisiert die französisch-schweizerische Doppelbürgerin den Film «Des épaules solides», der an Festivals auf der ganzen Welt Erfolge feiert. 2008 stellt sie ihren ersten Kinofilm «Home» in der Semaine de la critique in Cannes vor, in den Hauptrollen sind Isabelle Huppert und Olivier Gourmet zu sehen. Der Spielfilm wird mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. 2009 gründet Ursula Meier mit den Regisseuren Lionel Baier, Jean-Stéphane Bron und Frédéric Mermoud die Produktionsfirma Bande à part Films in Lausanne. Es folgt «Sister» mit Léa Seydoux und Kacey Mottet Klein, der an der 62. Berlinale einen Sonderpreis-Silbernen Bären holt. Wie «Home» gewinnt auch «Sister» drei Schweizer Filmpreise, darunter denjenigen für den Besten Spielfilm und vertritt die Schweiz bei den Oscars. 2018 dreht Ursula Meier «Journal de ma tête» mit Fanny Ardant und Kacey Mottet Klein. Das Drama gehört zu der vierteiligen TV-Kollektion «Ondes de choc». Derzeit arbeitet Ursula Meier an ihrem nächsten Kinofilm «La Ligne», den sie 2020 in der Westschweiz drehen wird und entwickelt gleichzeitig ihren ersten englischsprachigen Film «Quiet Land».

Cemile Sahin
Cemile Sahin

Cemile Sahin 

Cemile Sahins künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Film, Fotografie, Skulptur, Sound und Text. Im Oktober 2019 ist im Korbinian Verlag ihr Debütroman «TAXI» erschienen – das bereits jetzt erfolgreichste Buch des jungen, unabhängigen Verlags. Cemile Sahins Ausgangspunkte sind Bilder oder Geschichten, die sie in multimedialen Installationen neu inszeniert. Ihre skulpturalen und filmischen Arbeiten waren in den letzten Monaten in der GfzK Leipzig, im NS-Dokumentationszentrum München, in der Akademie der Künste Berlin und im Kunstverein Hamburg zu sehen. Ihre Texte wurden bei «Zeit Online», in «Das Wetter – Magazin für Text und Musik» und in der «taz» veröffentlicht. Die deutsch-kurdische Absolventin des Central Saint Martins College of Art and Design in London und der Universität der Künste in Berlin ist «ars viva»-Preisträgerin 2020 für Bildende Kunst und Stipendiatin der Akademie der Künste in Berlin.

Mirko Manzoni
Mirko Manzoni

Mirko Manzoni

Mirko Manzoni verfügt über langjährige, umfassende Erfahrungen im diplomatischen und humanitären Dienst. So ist er 2014 bis 2019 als Schweizer Botschafter in Mozambique aktiv am Friedensprozess beteiligt. Am 8. Juli 2019 ernennt ihn UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu seinem persönlichen Gesandten für Mozambique. Derzeit präsidiert Manzoni die Kontaktgruppe der Friedensgespräche, der die USA, China, die Europäische Union, Grossbritannien, Norwegen, Botswana und die Schweiz angehören. Zu den beendeten Missionen des Tessiner Diplomaten gehören Einsätze in Mali und im Kosovo. Zudem war der diplomierte Architekt und Betriebswirtschaftler als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK in der Demokratischen Republik Kongo und im Irak tätig.

Bisherige Preisträger
Prix de Soleure 2019

«Immer und ewig» von Fanny Bräuning, doc 85’

Produktion: Hugofilm Productions GmbH

 

Die Jury des «Prix de Soleure» 2019

Esen Isik
Regisseurin
 

Noémie Schmidt
Schauspielerin

Nicola Forster
Präsident des Schweizer Think Tanks foraus

Prix de Soleure 2018

«Des moutons et des hommes» von Karim Sayad, doc 78’

Produktion: Close-up Films, Norte Productions, Doha Film Institute

 

Die Jury des «Prix de Soleure» 2018

Xavier Koller
Regisseur
 

Pascale Kramer
Schriftstellerin

Foto: David Ignaszewski-koboy

Flavia Kleiner
Politaktivistin                                                                                                

Prix de Soleure 2017

«Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe, fic 96’
Produktion: Zodiac Pictures Ltd, Schweizer Radio und Fernsehen SRF SRG SSR, Teleclub

Die Jury des «Prix de Soleure» 2017

Sabine Gisiger
Regisseurin
Foto: Matthias Günter

Cornelio Sommaruga
Chefdiplomat

Anatole Taubman
Schauspieler
Foto: Jürgen Frank

Prix de Soleure 2016

«Das Leben drehen – Wie mein Vater versuchte, das Glück festzuhalten» von Eva Vitija, doc 77'
Produktion: SwissDok GmbH, ZHdK, SRF

Die Jury des «Prix de Soleure» 2016

Julia Jentsch
Schauspielerin
Foto: Stefan Klüter

Călin Peter Netzer
Regisseur
Foto: Barna Nemethi, griffon & swans

Heidi Tagliavini
Diplomatin
Foto: Serge Hoeltschi

Prix de Soleure 2015

«Spartiates» von  Nicolas Wadimoff, doc 80’
Produktion: AKKA Films

Die Jury des «Prix de Soleure» 2015

Dominique de Rivaz
Regisseurin

Melinda Nadj Abonji
Schriftstellerin / Musikerin
Foto: Gaetan Bally

Moritz Leuenberger
Alt-Bundesrat

Prix de Soleure 2014

«L'escale» von Kaveh Bakthiari, doc 100'
Produktion: Louise Productions

Die Jury des «Prix de Soleure» 2014

Lukas Bärfuss
Schriftsteller
Foto Frederic Meyer

Güzin Kar
Drehbuchautorin / Regisseurin
Foto Barbara Sigg

Jean Ziegler
Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrats
Foto C. Bertelsmann

Prix de Soleure 2013

«Der Imker» von Mano Khalil, doc 105'
Produktion: Frame Film GmbH, Mano Khalil

Die Jury des «Prix de Soleure» 2013

Stéphanie Chuat
Regisseurin

Michèle Roten
Schriftstellerin

Dick Marty
Politiker

Prix de Soleure 2012

«Vol spécial» von Fernand Melgar, doc 100'
Produktion: Climage, Elise Shubs

Die Jury des «Prix de Soleure» 2012

Séverine Cornamusaz
Regisseurin

Charles Lewinsky
Schriftsteller / Drehbuchautor

Micheline Calmy-Rey
Alt-Bundesrätin

Prix de Soleure 2011

«Cleveland vs. Wallstreet» von Jean-Stéphane Bron, doc 89'
Produktion: Saga Production, Robert Boner, Philippe Martin

Die Jury des «Prix de Soleure» 2011

Manon Schick
Direktorin Amnesty International

Benjamin Heisenberg
Regisseur / Autor

San Keller
Künstler

Prix de Soleure 2010

«Nel giardino dei suoni» von Nicola Bellucci, doc 84'
Produktion: soap factory GmbH, Frank Matter

Die Jury des «Prix de Soleure» 2010

Géraldine Savary
Ständerätin

Bettina Oberli
Regisseurin

Daniel Binswanger
Journalist

Prix de Soleure 2009

«No more smoke signals» von Fanny Bräuning, doc 90'
Produktion: Distant Lights Filmproduktion GmbH, Kaspar Kasics

Die Jury des «Prix de Soleure» 2009

Stina Werenfels
Regisseurin

Peter Weber
Schriftsteller

Ruth Dreifuss
Alt-Bundesrätin