20.1. –– 27.1.2021
Solothurner Filmtage
Rencontre
Erste Schweizer Retrospektive des Tessiner Regisseurs und Produzenten
© Sabine Cattaneo
© Sabine Cattaneo

Das Spezialprogramm «Rencontre» der 56. Solothurner Filmtage 2021 ist Villi Hermann gewidmet. Seit über 50 Jahren prägt der bald 80-jährige Produzent und Regisseur das Schweizer Filmschaffen und ist ein Pionier des italienischsprachigen Films. Die Solothurner Filmtage zeigen die erste Retrospektive in der Schweiz und machen frühe Werke digital zugänglich.

Villi Hermann wird 1941 als Sohn eines Deutschschweizer Vaters und einer Tessiner Mutter in Luzern geboren. Nach dem Studium der Bildenden Kunst in Luzern, Krefeld und Paris absolviert er die London School of Filmtechnique (L.S.F.T.). Auf dieser Ausbildung beruht seine Vielseitigkeit: er wird Regisseur und Produzent, arbeitet aber auch als Tontechniker und Kameramann, meistens für seine eigene Filme. Seine ersten Filme entstehen in Eigenproduktion und mit dem Filmkollektiv Zürich. 1981 legt Villi Hermann mit der Gründung von Imago Film in Lugano den Grundstein für eine der traditionsreichsten Tessiner Produktionsfirmen und für ein einflussreiches Werk als Produzent, Regisseur, Förderer und Mentor.

«Il nostro cinema deve parlare di noi»

Zu Villi Hermanns Leitgedanken gehört, dass Kino von uns selbst erzählen soll. Als Regisseur und Produzent macht er Filme über die Realität, die ihn umgibt und persönlich betrifft. Zu seiner Tessiner Lebenswelt gehören im Frühwerk oft Frontalieri, Arbeiter, Bergler oder das Thema Migration; später sind es Künstlerfreunde mit Bezug zum Tessin, wie z.B. Mario Botta, Alberto Nessi, Sam Gabai oder Giovanni Orelli. Viele Filme seiner Filme haben ein politisches Grundthema. Hermanns Haltung ist dabei klar: er sieht die Aufgabe des Regisseurs mehr in der poetischen Intervention als in der journalistischen Investigation und sich selbst als formaler Freigeist, der sich nicht in vordefinierten Kategorien oder Genres ausdrücken möchte.

Villi Hermanns 22 Regiearbeiten lassen sich grob in drei Phasen einteilen. Auf die experimentellen Anfänge der 1970er-Jahre und die innovative Doku-Fiktion «San Gottardo» (1977) folgen die zeitkritischen Filme der 1980er-Jahre und damit Meilensteine wie «Es ist kalt in Brandenburg (Hitler töten)» zusammen mit Niklaus Meienberg und Hans Stürm aus dem Jahre 1980, «Matlosa» (1981) oder «Bankomatt» (1989), mit der Hermann die erste offizielle schweizerisch-italienische Koproduktion realisierte und Bruno Ganz in seiner ersten italienischsprachigen Rolle besetzte. Ab den 1990er-Jahren wendet sich Hermann vermehrt dem Dokumentarfilm und der Schweizer Geschichte («Luigi Einaudi – diario dell’esilo svizzero», 2000) oder dem Dialog zwischen Kino und Kunst zu («Gotthard Schuh – Eine sinnliche Sicht der Welt», 2011).

Der Produzent Villi Hermann

Mit seiner Firma Imago Film produziert Villi Hermann seit einiger Zeit den italienischsprachigen Nachwuchs. Tessiner Regietalente wie Erik Bernasconi, Niccolò Castelli, Alberto Meroni oder Francesco Rizzi konnten ihre Erstlinge bei Imago Film realisieren; Werke wie «Sinestesia» (Erik Bernasconi), «Tutti giù» (Niccolò Castelli) oder «La Buca» (Daniele Ciprì) feierten auf nationaler und internationaler Bühne Erfolge.

Villi Hermann gilt als aktiver Produzent, der in allen Landessprachen arbeitet und Brücken schlägt, sein Wissen teilt und sein eigenes Filmerbe pflegt. Produzent*innen wie Michaela Pini oder der kürzlich verstorbene Andres Pfäffli (1954-2020) lernten ihr Handwerk bei Villi Hermann, sowie Filmtechniker und Filmtechnikerinnen hatten die Möglichkeit ihre ersten Spielfilm-Erfahrungen zu machen, z.b. Carlo Varini, Esmé Sciaroni oder Riccardo Studer. Imago Film ist die älteste freie Produktionsfirma im Kanton Tessin.

Das Filmprogramm der «Rencontre»

Die Retrospektive «Rencontre Villi Hermann» präsentiert mit rund einem Dutzend Langfilmen und zwei Kurzfilmprogrammen einen Querschnitt seines filmischen Schaffens. Einige unbekanntere Werke werden neu untertitelt und frühe Filmexperimente aus seiner Londoner Zeit werden von den Solothurner Filmtagen neu digitalisiert und zum ersten Mal seit über vierzig Jahren wieder gezeigt.

Die «Rencontre» der Solothurner Filmtage ehrt seit 1996 jährlich eine Persönlichkeit des Schweizer Films und zeigt Schlüsselwerke ihres Schaffens. Bisher wurden Retrospektiven zu Regisseurinnen und Regisseure wie Heidi Specogna, Christoph Schaub, Peter Liechti, Léa Pool, Paul Riniker, Jacqueline Veuve, Alexander J. Seiler, Claude Goretta, Reni Mertens und Walter Martisowie Alain Tanner oder Schauspielerinnen und Schauspieler Bruno Todeschini, Ursina Lardi, Marthe Keller, Walo Lüönd, Maximillian Schell, Bruno Ganz und Jean-Luc Bideau veranstaltet.

Nach dem Kameramann Renato Berta (2007) und dem Regisseur Silvio Soldini (2013) ist Villi Hermann der dritte Tessiner Cineast, dem eine «Rencontre» gewidmet wird.

Die «Rencontre» wird von der Ernst Göhner Stiftung unterstützt.

Bisherige Ehrengäste der «Rencontre»

55. Solothurner Filmtage 2020: Heidi Specogna
54. Solothurner Filmtage 2019: Bruno Todeschini
53. Solothurner Filmtage 2018: Christoph Schaub
52. Solothurner Filmtage 2017: François Musy
51. Solothurner Filmtage 2016: Ursina Lardi
50. Solothurner Filmtage 2015: Jubiläum 50 Jahre Solothurner Filmtage
49. Solothurner Filmtage 2014: Peter Liechti
48. Solothurner Filmtage 2013: Silvio Soldini
47. Solothurner Filmtage 2012: Marthe Keller
46. Solothurner Filmtage 2011: Ruth Waldburger
45. Solothurner Filmtage 2010: Niki Reiser
44. Solothurner Filmtage 2009: Léa Pool
43. Solothurner Filmtage 2008: Walo Lüönd
42. Solothurner Filmtage 2007: Renato Berta
41. Solothurner Filmtage 2006: Maximilian Schell
40. Solothurner Filmtage 2005: Bruno Ganz
39. Solothurner Filmtage 2004: Jean-Luc Bideau
38. Solothurner Filmtage 2003: Pio Corradi
37. Solothurner Filmtage 2002: Paul Riniker
36. Solothurner Filmtage 2001: T&C Film AG, Marcel Hoehn
35. Solothurner Filmtage 2000: Jacqueline Veuve
34. Solothurner Filmtage 1999: Alexander J. Seiler
33. Solothurner Filmtage 1998: Claude Goretta
32. Solothurner Filmtage 1997: Reni Mertens u. Walter Marti
31. Solothurner Filmtage 1996: Alain Tanner
27. Solothurner Filmtage 1992: Hommage Michel Soutter

54. Solothurner Filmtage 2019: Bruno Todeschini
53. Solothurner Filmtage 2018: Christoph Schaub
52. Solothurner Filmtage 2017: François Musy
51. Solothurner Filmtage 2016: Ursina Lardi
50. Solothurner Filmtage 2015: Jubiläum 50 Jahre Solothurner Filmtage
49. Solothurner Filmtage 2014: Peter Liechti
48. Solothurner Filmtage 2013: Silvio Soldini
47. Solothurner Filmtage 2012: Marthe Keller
46. Solothurner Filmtage 2011: Ruth Waldburger
45. Solothurner Filmtage 2010: Niki Reiser
44. Solothurner Filmtage 2009: Léa Pool
43. Solothurner Filmtage 2008: Walo Lüönd
42. Solothurner Filmtage 2007: Renato Berta
41. Solothurner Filmtage 2006: Maximilian Schell
40. Solothurner Filmtage 2005: Bruno Ganz
39. Solothurner Filmtage 2004: Jean-Luc Bideau
38. Solothurner Filmtage 2003: Pio Corradi
37. Solothurner Filmtage 2002: Paul Riniker
36. Solothurner Filmtage 2001: T&C Film AG, Marcel Hoehn
35. Solothurner Filmtage 2000: Jacqueline Veuve
34. Solothurner Filmtage 1999: Alexander J. Seiler
33. Solothurner Filmtage 1998: Claude Goretta
32. Solothurner Filmtage 1997: Reni Mertens u. Walter Marti
31. Solothurner Filmtage 1996: Alain Tanner
27. Solothurner Filmtage 1992: Hommage Michel Soutter