22.1. –– 29.1.2020
Solothurner Filmtage
Rencontre

Das Spezialprogramm «Rencontre» ehrt jährlich eine Persönlichkeit des Schweizer Films und zeigt ausgewählte Werke ihres Schaffens. Das Programm vermittelt einen Einblick in die Arbeit der gewürdigten Person und ermöglicht dem Publikum, dieser in Solothurn zu begegnen. Die «Rencontre» der 55. Solothurner Filmtage ist der Regisseurin und Produzentin Heidi Specogna gewidmet.

Heidi Specogna

Die 55. Solothurner Filmtage widmen das Spezialprogramm «Rencontre» der Regisseurin, Autorin und Produzentin Heidi Specogna. Die preisgekrönte Bielerin («Cahier africain», «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez») gehört seit mehr als 25 Jahren zu den wichtigsten Autorinnen und Autoren des europäischen Kinodokumentarfilms.

Heidi Specogna wird 1959 in Biel geboren und wächst am Jurasüdfuss auf. Nach der Ringier Journalistenschule arbeitet sie für verschiedene Deutschschweizer Medien, ist Mitglied des Journalistenkollektivs «Presseladen» und entdeckt die Fotografie für sich. Anfang der 1980er-Jahre zieht es Specogna nach Deutschland: sie gehört zu den ersten Schweizerinnen, die an einer ausländischen Filmschule studieren. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb) entstehen verschiedene Kurz- und Experimentalfilme. Ihren ersten mittellangen Dokumentarfilm «Fährten» (1985) dreht sie in Schwarzweiss und befragt dafür die Menschen und Landschaften, die sie für ihr Studium zurückgelassen hat: ihre Schwester in Biel, das Berner Seeland, den Jura, die Schweiz. Für diese atmosphärische, persönlich-essayistische Bestandesaufnahme der Schweiz gewinnt Specogna 1985 aus dem Stand den Berner Filmpreis.

Es folgen Lehraufträge, die Gründung einer eigenen Produktionsfirma und mit «Tania La Guerrillera» (1991) und «Deckname: Rosa» (1993) ihre ersten beiden langen Dokumentarfilme über couragierte, kämpferische Frauen. Mit «Z-Man’s Kinder» macht die Regisseurin ihren einzigen Ausflug in den Spielfilm und stellt auch hier eine eigenwillige Frau ins Zentrum. Doch von nun an steht Specognas Werk ganz in der Tradition des politischen Dokumentarfilms. Sie erzählt die Geschichte einer PKK-Aktivistin («Eine Familienangelegenheit», 2004)), eines guatemaltekischen Soldaten («Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez», 2006)) und einer 90-jährigen Revolutionärin («Zeit der roten Nelken», 2004). Zweimal beobachtet sie den uruguayischen Politiker Pepe Mujica («Tupamaros», 1997, und «Pepe Mujica – Der Präsident», 2014).

Nach Lateinamerika wendet sich Heidi Specogna Afrika zu und blickt noch stärker hinter die politische Aktualität – sei es auf einem Kindersklavenschiff in Gabun («Das Schiff des Torjägers», 2010) oder bei Ermittlungen über Kriegsverbrechen («Carte Blanche», 2011) und bei Vergewaltigungsopfern in der Zentralafrikanischen Republik («Cahier africain», 2016). Dabei akzentuiert sich auch die dokumentarische Haltung der Regisseurin: Recherchieren, Beobachten, Fragen stellen – und so mit entschiedener Neugier einen Blick auf die grösseren Zusammenhänge freimachen.

Heidi Specognas bedeutendes Oeuvre ist vielfach preisgekrönt. So erhielt «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez» sowohl den Schweizer Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm als auch den deutschen Grimme-Preis. «Cahier africain» brachte der Autorin neben dem Schweizer Filmpreis und dem Grimme-Preis auch den Deutschen Filmpreis und den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis – den sie bereits für «Esther und die Geister» erhalten hatte – ein. Die Deutsche Akademie der Künste ehrte Heidi Specogna kürzlich mit dem renommierten Konrad-Wolf-Preis.

Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin unterrichtet Heidi Specogna an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Zu ihren Studenten und Studentinnen gehörten u.a. Nicolas Steiner, Nicole Vögele oder Nora Fingscheidt. Der Vermittlung des filmischen Handwerks wird sie sich auch in Solothurn widmen: In einer Masterclass gibt die Regisseurin gemeinsam mit ihrem Cutter Kaya Inan Einblick in den Schnittprozess ihres aktuellen Filmprojekts «Wachs und Gold», das derzeit in Äthiopien gedreht wird.

Die «Rencontre» ehrt seit 1996 jährlich eine Persönlichkeit des Schweizer Films, zeigt Schlüsselwerke ihres Schaffens und ermöglicht die persönliche Begegnung. Zu den bisherigen Ehrengästen der Solothurner Filmtage gehören u.a. die Regisseurinnen und Regisseure Christoph Schaub, Peter Liechti, Silvio Soldini, Léa Pool, Paul Riniker, Jacqueline Veuve, Alexander J. Seiler, Claude Goretta, Reni Mertens und Walter Marti sowie Alain Tanner oder die Schauspielerinnen und Schauspieler Bruno Todeschini, Ursina Lardi, Marthe Keller, Walo Lüönd, Maximillian Schell, Bruno Ganz und Jean-Luc Bideau.

Filmprogramm
Cahier africain

Heidi Specogna | CH/DE | doc 116'
Di 28.1. 20:30 Kino Palace

Ein Schulheft mit den Zeugenaussagen von zentralafrikanischen Frauen, Mädchen und Männern: Es offenbart, was ihnen im Krieg widerfahren ist.

Carte blanche

Heidi Specogna | CH/DE | doc 93'
So 26.1. 15:00 Kino Palace

Ende 2002 überzieht eine Gewaltwelle die Zentralafrikanische Republik. Acht Jahre später soll es Gerechtigkeit geben.

Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

Heidi Specogna | CH/DE | doc 90'
Do 23.1. 20:30 Kino Palace

2003 geht das Foto von José Antonio Gutierrez um die Welt. Er ist der erste amerikanische Soldat, der Opfer des Irakkriegs wird.

Das Schiff des Torjägers

Heidi Specogna | DE/CH | doc 91'
Fr 24.1. 17:00 Kino Palace

2001: Der nigerianische Fussballer Jonathan Akpoborie soll Besitzer eines Kindersklavenschiffs sein.

Deckname: Rosa

Heidi Specogna | CH | doc 85'
Di 28.1. 17:30 Kino Palace

Im 2. Weltkrieg funkt eine junge Frau von Genf aus Nachrichten an die Rote Armee. Persönliche Verpflichtung oder Verletzung der Schweizer Neutralität?

Eine Familienangelegenheit

Heidi Specogna | DE | doc 80'
So 26.1. 20:30 Kino Palace

Eine deutsche PKK-Aktivistin wird zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ihre Mutter kämpft für die Familie.

Kurzfilmprogramm / Programme de courts métrages

Tasta-Tour DE | exp 7'
Fährten DE | doc 30'
Das Indianerkind DE | fic 21'
Dschibuti DE | fic 14'

Heidi Specogna 
Sa 25.1. 14:45 Kino Palace

Vier frühe Kurzfilme von Heidi Specogna aus ihrer Studienzeit in Berlin.

Pepe Mujica – Lessons From the Flowerbed

Heidi Specogna | DE | doc 94'
Sa 25.1. 20:45 Kino Palace

Pepe Mujica, Uruguays Präsident (2010 – 2015), ist ehemaliger Guerillakämpfer, Blumenzüchter und seinen Ideen stets treu geblieben.

Tania la Guerrillera

Heidi Specogna | CH/DE | doc 88'
Fr 24.1. 20:30 Kino Palace

1961 reist Tamara Bunke aus der DDR nach Kuba. Sie soll, unter der Obhut von Che Guevara, den Widerstand in Bolivien vorbereiten.

Tupamaros

Heidi Specogna, Rainer Hoffmann | DE/CH | doc 95'
Do 23.1. 18:00 Kino Palace

1963 überfielen junge Männer den Schweizer Schiessverein in Uruguay. Die Aktion begründete die berühmte Stadtguerilla Tupamaros.

Z-Man's Kinder

Heidi Specogna | DE | fic 86'
Mo 27.1. 20:30 Kino Palace

Bei der Fahndung nach einer ehemaligen Terroristin hilft auch ein beliebter Comic-Held mit: Z-Man.

Zärtlichkeit und Zorn

Johannes Flütsch | CH | doc 86'
Mo 27.1. 17:30 Kino Palace

Bajo, Sorelei, Cesa und Beatrice wohnen in einem Wagen. Immer wieder gerät die Familie mit den Behörden in Konflikt.

Zeit der roten Nelken

Heidi Specogna | DE | doc 98'
Mi 29.1. 17:30 Kino Palace

Nadja Bunke war ihr Leben lang Sozialistin. Ihr Herz gehört vor allem Kuba, denn dort gilt ihre Tochter als Märtyrerin.

Zwei Porträts

Esther und die Geister Heidi Specogna | DE | doc 30'
Frau Loosli Nicole Vögele | DE | doc 40'

Sa 25.1. 18:45 Kino Palace

Zwei Porträts von Heidi Specogna und Nicole Vögele: über Esther aus Bangui und über Frau Loosli aus dem Berner Oberland.

Rahmenprogramm

Investigating Through Documentaries – Heidi Specogna im Gespräch
Sa 25.1. 17:30 – 18:30 | Kino Palace

Die Regisseurin und Journalistin Nicole Vögele («Closing Time») interviewt ihre ehemalige Dozentin Heidi Specogna. Beide setzen hohe Ansprüche an die Recherche, giessen ihre dokumentarischen Geschich­ten aber in ganz unterschiedliche Formen.
Auf Deutsch mit Simultanübersetzung auf Französisch.

Moderation: Nicole Vögele.
 

 

Masterclass Heidi Specogna und Kaya Inan: Die zweite Autorenschaft
So 26.1. 11:00 – 12:30 | Kino im Uferbau

Wenn der Schnitt beginnt, stellt sich im Do­kumentarfilm die Frage nach der «zweiten Autorenschaft». In einem Werkstattge­spräch geben Heidi Specogna und ihr Cut­ter Kaya Inan einen Einblick in ihre krea­tive Zusammenarbeit. Mit exklusiven Ausschnitten aus Heidi Specognas neuem Filmprojekt «Wachs und Gold».
Auf Deutsch mit Simultanübersetzung auf Französisch.

Moderation: Nicole Schroeder (FOCAL).
 

 

Das Programm «Rencontre» wird unterstützt von der Ernst Göhner Stiftung und SWISSPERFORM.

Bisherige Ehrengäste der «Rencontre»

54. Solothurner Filmtage 2019: Bruno Todeschini
53. Solothurner Filmtage 2018: Christoph Schaub
52. Solothurner Filmtage 2017: François Musy
51. Solothurner Filmtage 2016: Ursina Lardi
50. Solothurner Filmtage 2015: Jubiläum 50 Jahre Solothurner Filmtage
49. Solothurner Filmtage 2014: Peter Liechti
48. Solothurner Filmtage 2013: Silvio Soldini
47. Solothurner Filmtage 2012: Marthe Keller
46. Solothurner Filmtage 2011: Ruth Waldburger
45. Solothurner Filmtage 2010: Niki Reiser
44. Solothurner Filmtage 2009: Léa Pool
43. Solothurner Filmtage 2008: Walo Lüönd
42. Solothurner Filmtage 2007: Renato Berta
41. Solothurner Filmtage 2006: Maximilian Schell
40. Solothurner Filmtage 2005: Bruno Ganz
39. Solothurner Filmtage 2004: Jean-Luc Bideau
38. Solothurner Filmtage 2003: Pio Corradi
37. Solothurner Filmtage 2002: Paul Riniker
36. Solothurner Filmtage 2001: T&C Film AG, Marcel Hoehn
35. Solothurner Filmtage 2000: Jacqueline Veuve
34. Solothurner Filmtage 1999: Alexander J. Seiler
33. Solothurner Filmtage 1998: Claude Goretta
32. Solothurner Filmtage 1997: Reni Mertens u. Walter Marti
31. Solothurner Filmtage 1996: Alain Tanner
27. Solothurner Filmtage 1992: Hommage Michel Soutter