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Festival-Kolumne: La belle équipe

Datum

26. Januar 2022

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equipe
Rebecca

Rebecca Siegfried – 9 Server, 250 Kühe und Kälber

Die 42jährige Bernerin Rebecca Siegfried sitzt in Solothurn gleich in zwei Schaltzentralen. Einerseits ist dies die Vorführkabine der Reithalle, wo sie zusammen mit ihrem Kollegen Dustin Rees sämtliche Vorstellungen betreut und also auch die «grossen Kisten» wie die Eröffnung oder die Preisverleihungen stemmt. Andererseits ist dies der Wengisaal im zweiten Stock der Jugendherberge, der rund einen Monat vor Festivalstart jeweils zum Serverraum für die neun Kinosäle der Filmtage umfunktioniert wird. Je einen Server pro Saal bestückt Rebecca mit den eintrudelnden Filmen und sorgt mittels akribischer Planung dafür, dass für jede der 238 Vorstellungen jeder der knapp 200 Filme mit den richtigen Parametern und Untertiteln auf den richtigen Server zu liegen kommt. Für diese organisatorische und technische Herkulesaufgabe bringt Rebecca als langjährige Editorassistentin und Postproduktions-Technikerin die idealen Voraussetzungen mit. Sie bereitet bei Spiel- und Dokumentarfilmen das gesamte Bild- und Tonmaterial für den Schnitt vor und gibt es nach der Montage für die Nachbearbeitung mit Musik, Visual Effects, Sounddesign etc. weiter. Ihr Fachgebiet unterrichtet Rebecca seit 2019 auch Im Studiengang Video an der Fachhochschule Luzern HSLU. Einmal im Jahr allerdings, von Juni bis Oktober, nimmt sie sich zusammen mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn eine Auszeit von Bits und Pixeln und betreut stattdessen 250 Mutterkühe und Kälber auf einer Alp hoch oben im Bündnerland.

Benedikt Möckli

Benedikt Möckli – Zuckersäckli und Buschpilot

Begonnen hat er seine Filmtage-Karriere als Fahrer. Vorwiegend holte Benedikt Möckli Gäste von auswärtigen Hotels und brachte sie am Ende des Tages wieder zurück. Mit dem Wachstum von Solothurns Hotelangebot verlagerte sich sein Fokus auf die Material-Auslieferung. Bescheiden, wie er ist, hat er sich nie in den Vordergrund gedrängt. Heute hilft der 69-Jährige noch bei den Vorbereitungen mit und verteilt Zuckersäckli und Plakate an unsere Partner. Was ihm daran gefalle? «Nebst der trockenen Verteilarbeit darf man auch immer mal wieder einen Scherz machen – meiner Meinung nach schwebt in Solothurn eine Prise Humor mehr als anderswo.» Während den Filmtagen kann der Filmliebhaber so das Programm als Besucher geniessen, wobei er wenn möglich immer mit dem Velo anreist: Die 35 Kilometer pro Tag scheinen dem fitten Senioren gut zu tun.
Seit der Jahrtausend-Wende steht Benedikt den Filmtagen zur Seite – damals ist er aus dem Tschad zurückgekehrt. Dort stand er im Dienste des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), das im von Rebellen besetzten Hauptort des Saharagebiets eine Delegation eröffnete und eine Verbindung zur Hauptstadt im Süden benötigte. Benedikt wurde Verbindungspilot, denn der einzige Weg führte über die Luft: «800 Kilometer Steppe und Wüste ohne fahrbare Strasse». Wie sich die Lage im Land verändert hatte, stieg er später auf Lufttaxifahrer um.
Nach insgesamt 20 Jahren in Tschad kam Benedikt zurück; zufällig in den Kanton Solothurn. Seitdem arbeitet er bei den Filmtagen mit, wozu der ursprüngliche Winterthurer per Zufall durch die Anfrage eines Freundes gekommen ist. Und jetzt? «Jetzt schaue ich zu, wie die AHV kommt.»

Lina Fluri

Lina Fluri – Heilpädagogin klebt Plakate

Die 28jährige Solothurnerin Lina Fluri arbeitet dieses Jahr zum dritten Mal im Plakatier-Team der Filmtage. Zusammen mit sechs Kolleg*innen sorgt sie dafür, dass an allen Spielstellen die Plakate der Filme hängen, die dort auch wirklich vorgeführt werden. Bei einem Programm mit annährend 200 Kurz- und Langfilmen in acht verschiedenen Sälen ist das ein logistisches Unterfangen, das strenge Systematik erfordert. Fünf Tage dauert dieses Jahr das Plakatieren, jedes Kino hat seine eigenen Regeln und Tücken. Im Canva zum Beispiel lösen sich die Plakate gern von den Foyer-Scheiben, wenn die Sonne darauf fällt, und an allen Spielstellen ist genau festgelegt, welcher Platz den Filmtagen und welche der kommerziellen Plakatierfirma Propaganda zusteht. Das Plakatieren, sagt Lina, mache Freude, weil man das Festival mitten im Aufbau erlebe und weil das generationenübergreifende Team jeweils zu einem verschworenen Grüppchen zusammenwachse. Zudem habe sie schon manches Plakat durch seine Gestaltung animiert, den Film auch wirklich anzuschauen. Unterm Jahr hingegen sei sie keine regelmässige Filmgängerin. Lina arbeitet als Heilpädagogin, dem Fach, in dem sie in Zürich noch ein berufsbegleitendes Studium absolviert. Zum Glück fallen die Filmtage in die Semesterferien, denn dieses Jahr wartet in Solothurn noch ein Zusatzjob auf Lina. Sie verteilt die bunten Armbändel, welche Corona-Zertifizierte ausweisen. Eine gefragtere Frau dürfte es an diesen Filmtagen kaum geben.

Michael Fluri

Michael Fluri – Lenkrad statt Arztkittel

«Die Filmtage sind für mich der perfekte Ausgleich zu meinem Job – eine komplett andere Welt, in die ich jeweils sofort eintauchen kann», erzählt Michael Fluri begeistert, wenn man ihn nach seiner Motivation für die Mitarbeit bei den Filmtagen fragt. Seine «Burnout-Profilaxe», wie der Hausarzt die Filmtage auch liebevoll nennt, kennt er schon seit seiner Jugend – er ist damit aufgewachsen. Wie Filme «jeden einzelnen wie auch die ganze Gesellschaft bewegen und zum Nachdenken anregen können», fasziniert ihn besonders. Daneben gefällt ihm vor allem die gut funktionierende und unkomplizierte Arbeit im Team. Man merke, dass alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Für Michael bedeutet dies, jeweils Mitte Januar für acht Tage den Arztkittel abzulegen und den Platz hinter dem Lenkrad einzunehmen. Seit nunmehr vierzehn Jahren chauffiert Michael allerwichtigste Fracht in Solothurn herum. Waren dies in seinen Anfangsjahren noch die Filme, so wurden es nach der Digitalisierung Personen. Früher musste er den richtigen Film zeitgenau an die richtige Spielstätte bringen, heute beanspruchen Filmschaffende und Politiker*innen aller Art seine organisatorischen und menschlichen Fähigkeiten. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist ihm das «Prix de Soleure»-Jurymitglied Jean Ziegler: «Wir hatten uns falsch verstanden und wollten ihn einen Tag zu früh abholen. Daraufhin offerierte er unseren Fahrern ein Zmorge bei sich zuhause in Genf». Dass das Team des Filmtransportes in diesen Tagen alle Hürden mit Fingerspitzengefühl meisterte, zeigte ihm Zieglers Abschied, bei dem ihm der Gast mit wässrigen Augen dankte. «Ein schönes Erlebnis unter vielen. Sie machen die Filmtage aus.»

Heidi Gruber

Heidi Gruber – Gastro-Queen und gelbe Tulpen

Die gute Fee des Hauses, das Mädchen für alles – so klingt es, wenn die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle in Solothurn von Heidi Gruber sprechen. Heidi selbst winkt schmunzelnd ab und sagt bescheiden: «Ich helfe einfach, wo ich kann». Diese Hilfe bietet sie den Filmtagen nun schon seit 15 Jahren, egal ob als treue Versandhilfe vor oder als organisierende Gastro-Queen im Café Landhaus während den Filmtagen. Zu diesen kam sie durch Zufall. Eine Kollegin von ihr hatte damals ein Café an den Filmtagen lanciert und wollte Heidi dabeihaben. Die Kollegin stieg irgendwann aus, und Heidi blieb. Und mit ihr die gelben Tulpen, welche alljährlich das Café Landhaus schmücken. Auch das «Vivi- cola» und das Pepita auf der Getränkekarte gehören zum Inventar – «genau wie ich», lacht Heidi. Sie findet es immer wieder schön, zu den Filmtagen zurückzukehren und mit dem Team aus neuen sowie altbekannten Leuten zusammenzuarbeiten und verrückte Momente zu erleben. «Einmal» erinnert sie sich, «spazierte am Morgen ein Mann ins Café Landhaus, zog sich die Schuhe aus, legte sich auf das Sofa und schlief eine Runde. Als auch der Ansturm der Kaffeeliebhabenden den Mann nicht aus seinem Schlaf holte, versuchte ich ihn zuerst mit lautem Ansprechen zu wecken, aber erst mein Handywecker-Klingelton an seinem Ohr zeigte Erfolg.» Da sei er wortlos aufgestanden, habe sein Hörgerät eingeschaltet und ohne ein Wort zu sagen, das Café verlassen.
Die Frohnatur Heidi hat sich schon immer für Filme interessiert, kein Wunder also, ist sie den Filmtagen so lange treu geblieben. Anfang Festival nimmt sie sich jeweils vor, viele Filme zu sehen – was sie leider aber nie schaffe, da sie immer das Gefühl habe, es gebe noch etwas zu tun. Sie sei ein «Johnny Controletti» und habe bei ihrer Arbeit gern alles unter Kontrolle. Im gleichen Atemzug fasst sie erneut den Vorsatz, dieses Jahr mehr Filme anschauen zu gehen.

Rafael Blatter

Rafael Blatter – Dolmetscher und Vollzeitpapi

Rafael Blatter ist mit den Filmtagen aufgewachsen – diese eine Woche im Januar herrsche immer eine unglaubliche Stimmung in seiner Heimatstadt Solothurn. Morgens um drei Uhr im Restaurant Kreuz spontan in alte Bekannte zu laufen, sei eben schon cool. Doch die Freinächte sind lange her. Aus dem Freizeitspass Filmtage ist in den letzten fünfzehn Jahren schrittweise beruflicher Ernst geworden. Rafael begann als Einlasskontrolleur, Kassen-Mitarbeiter und Filmmoderator, wurde Übersetzer des ehemaligen Katalogs und ist heute als Dolmetscher bei Podien, Filmbrunches und Workshops unterwegs. Auch wenn er sich diesen Job mit einer Kollegin teile, sei die Woche jeweils recht happig: «Jede halbe Stunde tauschen wir uns beim Dolmetschen ab. Sonst hat man irgendwann keine Kontrolle mehr, was man sagt.» Rafael sitzt jeweils mit einem Mikrofon bewaffnet in der vordersten Reihe und übersetzt simultan ins Französische. Schmunzelnd erinnert er sich: «Ich bin bei einem Filmgespräch mal zusammengestaucht worden von der Regisseurin auf der Bühne, weil ich die ganze Zeit gesprochen habe – ob ich nicht endlich aufhören könne, zu telefonieren.»
Alle Hände voll zu tun hat der 36-Jährige auch zu Hause: Vor drei Monaten ist Rafael zum zweiten Mal Papi geworden. So füllen sich die Tage des freiberuflichen Übersetzers von selbst. Wenn’s doch mal langweilig werden würde, wolle er irgendwann seine Möbelbau-Karriere vorantreiben. «Bis jetzt hat’s nur für einen Stuhl gereicht.»

Selin Dettwiler

Selin Dettwiler – Zwischen Schnittraum und Bühne

Als Kind und Jugendliche war sie Besucherin, später Einlass-Kontrolleurin, Mitarbeiterin am Infodesk, nach ihrem Film-Bachelor war sie Praktikantin in der Filmlogistik und heute schneidet sie unteranderem Trailer für filmo.ch. Die Filmtage gehören bei Selin schon lange dazu. Auch wenn sie immer mal wieder als Regisseurin arbeitet, ihre Leidenschaft gehört dem Schnitt: «Bei der Montage kann der Film noch einmal gemeinsam neu erfunden werden.»

Sie liebt die Abwechslung, im Beruf (verschiedene Menschen, Themen & Genres) wie auch im Privaten, wo ihr ihre Band Çiçek Taksi den nötigen Ausgleich gibt. «Es gibt Tage, da bin ich tagsüber alleine im Schnittraum vor dem Compi und abends auf der Bühne vor einem Publikum und singe türkische Volkslieder & Popsongs. Das fördert einen frischen Blick auf das Filmmaterial am nächsten Tag.»

Derzeit schneidet Selin einen Abschlussfilm im Rahmen ihres Masterstudiums in Filmmontage an der ECAL (École Cantonale d’Art de Lausanne) und HEAD-Genève (Haute école d'art et de design). Daneben tourt sie mit ihrer Band, entwickelt einen eigenen Dokumentarfilm und ist dabei, in Solothurn einen Filmclub auf die Beine zu stellen. Bei den diesjährig für den Prix de Soleure nominierten Filmen «Wet Sand» und «Rotzloch» hat sie als Schnittassistenz mitgearbeitet. Ach, und ja: Die Einspieler zu den drei Wettbewerben, die Sie an den Filmtagen sehen, hat ebenfalls Selin montiert.

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Die Solothurner Filmtage machen mittelfristig ihre Kataloge online zugänglich. Derzeit sind die Jahre 1966-1971 vollständig erfasst. Stöbern Sie in unserer Festivalgeschichte!

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