An der «Notte delle Visioni» der 61. Solothurner Filmtage wurde im Stadttheater Solothurn «Nessuno vi farà del male» von Dino Hodic mit dem Jurypreis «Visioni» ausgezeichnet. Für den Preis, der Erst- und Zweitfilme würdigt, waren insgesamt sechs Filme nominiert.
Zudem erhielt am Samstagabend der Kurzfilm «Always Wanted To Be God, Never Wanted To Do Good» von Noa Epars und Marvin Merkel den Preis für den besten Nachwuchsfilm.
Jurypreis «Visioni» für Dino Hodic
In seinem Dokumentarfilm «Nessuno vi farà del male» begibt sich der Regisseur dreissig Jahre nach dem Massaker von Srebrenica auf eine intime Reise zu den Wurzeln seiner Identität.
In ihrer Laudatio würdigt die Jury den Film wie folgt:
Der Film eröffnet mit einem Mann, der in ein Gebiet zurückkehrt, das zugleich Herkunftsort und Bruchstelle ist. Was als Suche nach der eigenen Geschichte beginnt, erweist sich als Weg, auf dem Dino Hodic zum Filmemacher wird, indem er seinem Protagonisten Hasan den notwendigen Raum gibt, auch als Überlebender seine Stimme hörbar zu machen.
Durch die subtile Montage von Archivmaterial und aktuellen Bildern gelingt es dem Regisseur, die Geschichte in die Gegenwart zu holen und den Ereignissen, die an ein bestimmtes Land und eine bestimmte Zeit gebunden sind, eine universelle Dimension zu verleihen, die in der heutigen Welt auf erschütternde Weise widerhallt.
Dino Hodic lebt in der Schweiz und wurde 1987 in Zvornik (Bosnien) geboren. Er ist autodidaktischer Fotograf und schloss 2020 seine Ausbildung als Kameramann am CISA (Conservatorio Internazionale di Scienze Audiovisive) in Locarno ab. Er arbeitet an verschiedenen Projekten als Fotograf und Regisseur und war an der Produktion von Dokumentar- und Kurzfilmen beteiligt.
Der Preis ist mit 20'000 Franken dotiert, Stifter sind die beiden Kulturfonds der Urheberrechtsgesellschaften Suissimage und SSA.
Die Jury setzt sich zusammen aus der Regisseurin Lucile Hadžihalilović («La tour de glace»), dem bildenden Künstler Alexander Hahn sowie der Regisseurin Carmen Jaquier («Les Paradis de Diane»).
Für die 61. Ausgabe hat die Auswahlkommission für «Visioni» einen Spielfilm und fünf Dokumentarfilme nominiert. Insgesamt sind fünf Filme als Premieren zu sehen.
Nachwuchspreis geht an «Always Wanted To Be God, Never Wanted To Do Good»
Die Jury stand dieses Jahr vor einer schwierigen Entscheidung – nicht nur, weil sie aus Regisseur:innen mit offensichtlichem Talent wählen musste, sondern auch, weil Werke unterschiedlicher Länge und Genres (Dokumentar-, Spiel- oder Animationsfilm) gegeneinander abzuwägen waren. Dies unterstreicht die Vielfalt und den Reichtum des Schweizer Filmnachwuchses.
Die Jury entschied sich, den Preis an einen Film zu vergeben, der ein nach wie vor heikles Thema auf völlig unkonventionelle und punkige Weise behandelt. Ausschlaggebend waren die filmische Originalität der Inszenierung, die Ironie sowie die grosse Freiheit im Tonfall. Die parallele Erzählweise, in der der Protagonist «ins Spiel kommt» und sich in Gefahr begibt, ist nicht nur beeindruckend, sondern macht das Publikum zum Komplizen dieser lustvoll blasphemischen Erzählung.
Aus diesen Gründen geht der Nachwuchspreis Suissimage/SSA 2026 an: «Always Wanted To Be God, Never Wanted To Do Good» von Noa Epars und Marvin Merkel.
Der Wettbewerb «Talente» umfasst Kurzfilme von Studierenden in- und ausländischer Fachhochschulen. Eine dreiköpfige Jury vergibt an der «Notte delle Visioni» den Nachwuchspreis Suissimage/SSA im Wert von 10‘000 Franken.
Für den Nachwuchspreis Suissimage/SSA der 61. Solothurner Filmtage hat die Auswahlkommission 22 von Filmschulen (ko-)produzierte Werke zwischen vier und 30 Minuten nominiert.
Die Jury setzt sich zusammen aus Zoltán Horváth (Regisseur, Produzent Animationsfilme), der Produzentin Sarah Schiesser sowie der Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Eva Vitija.
Die «Visioni»-Preise wurden am Samstag, 24. Januar 2026 im Rahmen der «Notte delle Visioni» der 61. Solothurner Filmtage verliehen.